20 Jahre...

... ist es her, dass wir Stadtliga gespielt haben. Damals noch in den Nachwehen der Fusion zwischen SC Diagonale und SV Harburg verhaftet, heute neu aufgestiegen aus dem Vorjahr. Und da (in die Stadtliga) gehören wir natürlich hin, vielleicht nicht objektiv, aber gefühlt.

Sei all dem, wie dem wolle, nun wurde es langsam ernst, die Stadtligastaffel A war zu eröffnen und wir erwarteten niemand geringeren als St.Pauli III, ihres Zeichens selber Aufsteiger - nur nicht wie wir aus Bezirks in Stadt, sondern aus Stadt in Landes. Nur hatten sie den Aufstieg abgelehnt. Mit anderen Worten - die Favoritenrolle für Runde 1 war klar verteilt, wir wollten nur ein paar Brettpunkte für die Moral sammeln, die entscheidenden Spiele um den Klassenerhalt sind andere.

Um 19:00h am 12.1.2012 ging also die erste Stadtligasaison seit Anno Dunnemals für uns los. Zu siebt - David war von der Arbeit aufgehalten und war für 30 Minuten später angekündigt (er schaffte allerdings 10 Minuten). Rainer Laugwitz war netterweise als "Im-Falle-eines-Falles-Ersatzmann" vor Ort, sodass die Achtmannigkeit sichergestellt war, aber wir benötigten ihn nicht, dennoch danke fürs reinschauen. Wir spielten mit Stamm ohne Marcel, also Christian, Matthias, Florian, Martin, Daniel, Andrei, Marten, Dave. Und es ging locker los. Noch bevor Florian sein "wer rochiert verliert" mit Kd7 forcierte fand Dave, dass so ein Springer hoppeln kann und sandte den Gegner kreuz und quer übers Brett und nahm mal eine Qualle mit. Andrei stand zu diesem Zeitpunkt komisch, Marten (das bin ich) eingeengt und der Rest neutral, aber subjektiv war ein 4,5:3,5 zu diesem Zeitpunkt drin. Und nach der Qualle gab Daves Gegner einen Turm - nicht ganz freiwillig, aber manche muss man zu ihrem Glück zwingen, und auf einmal war der Letzte (der kam) der Erste (der fertig war), wie es sich für ein Gemeindehaus gehört - 1:0 für die diagonalen Helden.

Und es kam noch besser: ich konnte nach ein paar Daddelzügen eine stabile wenngleich nicht besonders aktive Stellung hinbekommen und mich aufs Weiterspiel vorbereiten, als ein taktisches Motiv einen Bauern einholte (es ging noch so einiges, was weder mein Gegner noch ich sahen, aber gerettet hätte es auch nicht mehr) und ein weiteres dann eine Figur gewann - um halb Zehn führten wir mit 2:0. Sollte eine wenn schon nicht Sensation dann zumindest handfeste Überraschung möglich sein?

Nun ja, zunächst fiel Daniels Stellung etwas auseinander. WBb6, SBa6, b7, Kb8, Da8, auf der offenen c-Linie wütete ein weißer Turm. Schade, 2:1. Dann gab Andrei Remis - nachdem er die ganze Zeit eine schräge Stellung hatte, fand er a5, was einfach Schwarz zurückdrängte, das Zentrum ließ sich danach auflösen und am Ende wurde es Remis, war vielleicht noch besser spielbar als die Feindesstellung, aber der halbe Punkt gegen den ehemaligen Schachverbandsvorsitzenden van de Velde ist aller Ehren wert. Leider zeigte kurz darauf Florians "Wer-rochiert-verliert-Strategie" die Schwäche, dass "wer nicht rochiert kann auch verlieren" - wahrscheinlich zu optimistisch auf Gegenspiel gesetzt, wo einfaches Einigeln und Abwarten den Gegner vor mehr Probleme gesetzt hätte. Also 2,5:2,5 um Viertel nach Zehn.

Drei Partien also noch, die entscheiden - und so schlecht sah es gar nicht aus. Martin hatte eine spielbare wenngleich passive Stellung, die durch den gegnerischen Mannschaftsführer nicht remis gegeben werden durfte, Christian an Eins hatte eine Stellung, die ich nicht beurteilen möchte, die aber immer so wirkte, als ob er im Zweifel die Initiative hat - und Matthias an Brett 2 hatte einfach 2 Bauern mehr für nichts und wieder nichts und eine aktivere Stellung.

Folgerichtig war Matthias auch der Sieger seiner Partie, nach Tausch, Tausch und Tausch hatte er immer noch zwei Bauern mehr und eine aktivere Stellung, und im Endspiel reicht das manchmal, wie zum Beispiel hier und heute. Martin musste kurz darauf allerdings leider die Uhr anhalten, sodass es kurz vor Ultimo an Christian hing, beiim Stande von 3,5:3,5 die Partie zu entscheiden - in welche Richtung auch immer. Wegen Analyse weiß ich nicht genau, was abging, irgendwann sagte jemand "bei genauem Spiel gewinnt Christian das", und ob er nun genau gespielt hat oder nicht - er tat es, also gewinnen.

In der Summe ein 4,5:3,5 gegen den Staffelfavoriten. Im Nichtabstiegskampf sicherlich noch keine Vorentscheidung, allerdings zwei Punkte, die mal wertvoll werden können. Im Aufstiegskampf gleichzeitig ein Sieg gegen einen Konkurrenten, der eh nicht aufsteigen will. Sei dem wie dem wolle - der Start in die Stadtliga war keine Blamage für uns, wir sind angekommen. Nun müssen wir nur noch vermeiden, nach der Ankunft gleich wieder abzuhauen.

[Marten]