Stadtliga A 30.3.2012: HSK V – Diagonale I 3,5:4,5

Diesmal also HSK V...

Waren wir in der ersten Runde eher noch die milde belächelten Sofortwiederabsteiger, war die Stimmung schon eine ganz andere, als wir mit etlichen Stadtligamannschaften im prall gefüllten HSK-Vereinsheim der abermals nominell deutlich stärkeren fünften Mannschaft des HSK gegenüber saßen. Christian Zickelbein hob zwar hervor, wir seien nur auf der Durchreise, meinte damit aber nach oben und nicht nach unten. Immerhin teilten wir uns mit zwei weiteren Mannschaften den ersten Platz: Eidelstedt und HSK V, unserem Gegner. Dieser demonstrierte durch die Aufstellung an den vorderen Brettern auch Respekt vor dem ungestümen Aufsteiger (selbst Karl-Heinz Nugel an Brett 4 hatte früher schon Oberliga gespielt), konnte allerdings hinten eine kleine Schwächung nicht vermeiden. Sollte es uns nochmals gelingen, einem so mächtigen Gegner zu trotzen?

Während ich an Brett 1 versuchte, gegen Jürgen Stanke (2169, lange Stammspieler in der 2. BL) durch viel Zeitverbrauch Jürgens große Erfahrung in einem Sizilianer mit e6 und Sc6 auszugleichen, erspielte sich neben mir Matthias innerhalb von 11 Zügen mit Schwarz (!) eine glatte Gewinnstellung gegen einen zu sorglosen Sergius Kirsch (2018). Florian lehnte sich an Brett 3 durch Bauernvormarsch auf breiter Front weit aus dem Fenster, aber Andre Hold (1974) machte keinen Widerlegungsvorsuch und überraschte stattdessen, indem er seinen König nach f8 stellte, statt zu rochieren. Psychologische Kriegsführung? Ob sich Florian danach wohl auf der Verliererstraße sah? Man weiß es nicht.

An Brett 4 hatte Martin gegen das Königsläuferfianchetto von Karl-Heinz Nugel (1948) einen eher passiven, aber stabilen Aufbau mit e6, d5 und c6 gewählt und arbeitete daran, sich langsam aus der etwas gedrückten Stellung zu befreien. Bei Daniel an Brett 5 gegen Vadym Salenko (1918) hatten sich bereits ein paar Figuren abgetauscht und Daniel schien zu versuchen, aus gegnerischen Schwächen in der Bauernstellung Kapital zu schlagen. Andrei wurde von Raimund Klein (1889) an Brett 6 mit einem geschlossenen Sizilianer konfrontiert und stand vernünftig. Marten hatte an Brett 7 gegen Christopher Kyeck (1871) seinen berüchtigten Larsen ausgepackt und bisher hatte keine Seite im Zentrumskampf erkennbare Vorteile herausarbeiten können. An Brett 8 schließlich war Dave gegen Ricardo Quibael (1806) ausnahmsweise noch nicht fertig und hatte die hängenden Bauern c5 und d5 in Kauf genommen, um mehr vom Brett zu beherrschen und Drohungen gegen den weißen König aufzustellen.
So weit, so gut. Die erste Entscheidung fiel um 20:30 Uhr leider gegen uns: Andrei hatte gegen den direkten Königsangriff keine Verteidigung gefunden und musste die Waffen strecken. Eine angenehme Überraschung war, dass Karl-Heinz Nugel wohl der Kampfgeist fehlte, Martins Stellung weiter zu belagern, und er sich mit einer Punkteteilung begnügte. 0,5:1,5, aber die Partie von Matthias war ja schon für uns verbucht. Insofern war es auch nicht problematisch, dass auch Dave keine Entscheidung erzwingen konnte und sich mit einem Friedensschluss zufriedengab.
Bald darauf konnte ich mich trotz unklarer Gesamtsituation in den übrigen Partien nicht durchringen, in nahender Zeitnot weiterhin dem gegnerischen Tc5 Platzangst zu bereiten, und rauchte in leicht besserer Stellung die Friedenspfeife, es stand 1,5:2,5.

Während es inzwischen nicht mehr ganz klar war, ob der Vorteil von Matthias im Endspiel (Spinger + Mehrbauer gegen Läufer) zum Gewinn ausreichen würde, kam der Ausgleich um 22:30 Uhr von anderer Seite. Marten habe ein Matt übersehen, hatte es geheißen, aber das sei noch in der Stellung. Das wollte Marten wohl nicht länger auf sich sitzen lassen und so stand es 2,5:2,5.
Florian hatte inzwischen zwei Bauern weniger, aber die Stellung reichte für eine Stellungswiederholung: 3:3.
Übrig blieben zwei Partien mit guten Gewinnchancen: besagtes Endspiel bei Matthias und Daniels Partie, in der sich Daniel durch grundsolides Positionsspiel zwei gesunde Mehrbauern erarbeitet hatte. Nur eine Frage der Zeit also bis zum verdienten Siegertrunk.
Leider hatte Daniels Gegner andere Vorstellungen von einem gelungenen Abend und fand ein Turmopfer, nach dessen Annahme die Bauernumwandlung nicht zu verhindern gewesen wäre, durch dessen Ablehnung aber die mühsam erarbeiteten zwei Mehrbauern verlorengingen. So kam doch noch einige Spannung auf, als auf beiden Seiten die Freibauern um die Wette liefen, wobei sich die gegnerischen Bauern als unerwartet schnell erwiesen. Die Partie stand auf Messers Schneide, doch schließlich konnte Daniel seinem eigenen Bauern die nötige Nasenlänge Vorsprung verschaffen und die Entscheidung zum 4:3 erzwingen, indem er seinen Turm stehenließ. Woraufhin Matthias seine Gewinnversuche aufgab und zum 4,5:3,5 abwickelte.

Damit haben wir einen unserer Hauptkonkurrenten (um den Aufstieg, kaum zu glauben!) selbst auf die Ränge verwiesen und beschweren uns nicht, dass auch Eidelstedt auf die Nuss bekommen hat, was uns zur Halbzeit die alleinige Tabellenführung mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung verschafft. Wer hätte das gedacht!
[Christian]

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