Die Saison läuft weiter im vorhergesagten Rahmen. Denn wie hatten wir vor der Saison schon festgestellt: die ersten 5 Kämpfe werden klare Angelegenheiten zum warmspielen, danach entscheidet sich in den letzten vier Spielen, ob wir 2013 auch in der Stadtliga spielen. Und so ist es ja auch gekommen. Okay, ein Unentschieden war bislang dabei, aber ab jetzt gilt es.

Unser erster Konkurrent in der heißen Phase war die sechste Vertretung des HSK. Und die haben, anders als manche der bisherigen Gegner, eine Stärke, die wir auch haben, sie treten nämlich in der Besetzung an, die im Heft steht. Also 1-7 (jeweils neunzehnhunderthoch, bis auf Brett 2, wo Zwei-Eins-Nochwas zu Buche schlagen). Einen Ersatzmann hatten sie noch, Brett 9 einer Kreisligatruppe an 8, der lediglich 1891 anbot. Dieses Fallobst bekam Ersatzspieler Andreas Czepulis vorgesetzt, während wir ansonsten auch Stamm (minus Florian minus Marcel) hatten.

Der (schon jetzt vorweggeschickt: athmosphärisch sehr schöne, HSK VI ist eine sehr nette Truppe, vielleicht noch nicht ganz HSK XI, aber das kann man nicht erwarten, auf jeden Fall weder *zensiert* noch *zensiert*, unsere bisherigen Gegner, nicht einmal *zensiert*) Kampf begann also, in der ersten Stunde passiert ja noch nicht viel, schauen wir uns mal um. Andrei musste einen Läufereinschlag in die kurze Rochade für nichts und wieder nichts hinnehmen, die erste am Brett entschiedene Partie als Verlust abhakbar). Ich stand gut, manche okay, Dave unklar. Upps, so hatten wir uns das nicht gedacht. Naja, es ist noch viel drin. Wie, Andreas hat die Dame eingestellt? 0:1. De facto 0:2 - jetzt hieß es wirklich bergauf schwimmen. Aber stattdessen wurde erst einmal Schach gespielt. Und langsam entwickelte sich manches. Daniel bekam eine schöne offene f-Linie und konnte Äktschen fabrizieren, Christian stand gut, Matthias und Martin fingen langsam an, Vorteile herauszuarbeiten, ich fing schnell an, Vorteile wegzugeben, dafür war es bei mir (unterschiedliche Rochaden und "renn los") und Dave ein Spiel auf jeweils zwei Ergebnisse - 1 oder 0, Remis war raus. Andrei spielte seine totale Verluststellung noch.

Ich opferte einen Bauern für Angriff, irgendwann bot mein Gegner dann Remis, obwohl es das unwahrscheinlichste Ergebnis schien, aber ich durfte wegen Gesamtsituation nicht annehmen. Er fand aber eine Zugwiederholungsschaukel, die ich schlecht ablehnen konnte ohne mich total zu passivieren, und somit ½:1½. Aber das war sogar gut, wie mir der inzwische eingetroffene Meistertrainer Jonathan danach mitteilte, denn vorne tat sich einiges. Christian stand wirklich gut, Daniel besser, und Matthias und Martin waren für 1½ Punkte gut. Macht vier Brettpunkte plus Dave, der weiterhin unklar stand. Andrei spielte noch eine total verrotzte Stellung mit zwei Wenigerbauern, aber da war was drin.

In der Tat brach Daniels Gegner kurz danach zusammen. Er wählte zwischen "Wenigerbauern und lange gequält werden" und "einmal noch aufbäumen" die zweite Variante - und bäumte sich auf und verlor. Ausgleichstreffer Daniel dank des taktischen Schlags Lxe7. 1½:1½. Und nun hieß es warten. Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass meine Nervosität mich zwang, eine Runde um den Block zu drehen um nicht abzudrehen. Als ich zurück kam, kam mir Christians Gegner entgegen. Ich fragte, ob Christian (wie nach Stellung erwartet) gewonnen hatte - und er sagte nur "es steht 3½:1½ für Euch". Nanu? In der Tat hatte nicht nur Christian sondern auch Dave inzwischen gewonnen, es war taktisch einfach zu viel los, nichts zwingendes, aber eben viele schwebende Drohungen, und obwohl die berüchtigte Drei-Stunden-Marke übertreten war, fand David den Gewinn. 3½. Das heißt, ein Mannschaftspunkt ist so gut wie sicher. Irgendwo noch Remis, und alles ist supi.

Also schauen wir uns die drei Bretter mal an. Matthias hatte seinen Vorteil weggeworfen und kämpfte um das Remis. Martin hatte seinen Vorteil weggeworfen und kämpfte um das Remis. Andrei spielte seine vollhonkige Stellung mit zwei Wenigerbauern immer noch. Oh. 4½ war theoretisch drin. Matthias und Martin müssen halt zaubern, wenn beide es tun, gewinnen wir, wenn einer es tut, ist es Gesamtremis.

Und tatsächlich, inzwischen über 4h gespielt, Matthias macht Remis. Das sichert uns unseren Tabellenplatz. Martin bekommt auf einmal Gegenspiel. Andrei überlegt noch, wie er seinen Trümmerhaufen zusammenhalten soll. Aber 4:4 - das ist ja schon mal etwas. Inzwischen war Silke eingetroffen, was Andrei aber nicht wusste, und versprach uns ein Remis zu dem er verdonnert worden sei. Naja, sie ist schon ein wenig raus aus dem Spiel. (Wieso eigentlich?)

Martin bzw. seine Stellung wurde inzwischen scharf, beide rannten mit Freibauern (L und abch gegen S und abcf aus Martins Sicht), die die gegnerischen Könige jeweils nicht mehr kontrollieren konnten. Okay, Martin muss seinen L geben, aber wenn er es schafft, mit dem K den S zu jagen, ist vielleicht ein Remis drin. Oh, nein, schade. 4:3. Also 4:4, denn über Andreis Partie wollen wir zu diesem Zeitpunkt besser nicht reden.

Das heißt, wir müssen ja, gibt ja sonst nichts mehr. Die erste entschiedene Partie des Abends war die letzte die noch lief. Und Andreis Vorteil war die Zeit. Der geneigte Leser mag hinter dem Satz "Andreis Vorteil war die Zeit" beliebig viele Ausrufungszeichen setzen, so ganz begriffen wir es selber nicht. Aber was wir begriffen war, dass Se3 ein Zug war, der Weiß vor Probleme stellte. Vielleicht zum ersten Mal in der Partie wurde es schwer. Und prompt schlug die Zeit zu - der Mangel an selbiger ließ zu, dass zwei Bauern umfielen, auf einmal drohte auch so manche Gabel. Und mit wenig Zeit in auf einmal schwieriger Stellung schwammen Weiß die Felle davon. Andrei drohte Damengewinngabeln so und so und auch noch so, und das war zu viel für den Gegner - Andrei gewann. Und das Siegesküsschen von Silke war verdient, auch wenn sie sich vor lauter knuddelnden Mannschaftskollegen hinten anstellen musste. 5:3 gegen eine wirklich stark besetzte Mannschaft von HSK VI, es geht also weiter. Ob wir nächstes Jahr noch einmal Stadtliga spielen dürfen, hängt von den letzten drei Mannschaftskämpfen ab. Noch können wir den Klassenerhalt schaffen. Wollen wir aber glaube ich nicht mehr... Nichtsdestotrotz wartet in 7 Tagen mit Union Eimsbüttel 2 ein Team auf uns, das nominell deutlich besser besetzt ist, noch ist nichts gegessen. Aber wir haben es selber in der Hand.

[Marten]

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