Der große Absturz...

Runde 2 Landesliga, der Bonus des Neulings ist verspielt, jetzt kennt man uns - und fürchtet uns. Auf der Homepage des HSK hieß es, die Jugendtruppe müsse zum "starken" Aufsteiger. Nun, stark sind wir sicherlich - so flott, wie wir aufgebaut haben (okay, das als Spoiler vorweg, der Abbau dauerte einiges länger). Und mit dem Bonus versuchen wir halt weiterhin bestechend zu sein, indem wir unsere Gäste zu Essen und Trinken einladen. Wobei zwei Kuchen plus Muffins plus Superleckersüßdingervonsilke plus Brötchen vielleicht immer noch etwas überdimensioniert waren. Und die Befürchtung, der HSK trinke keinen Kaffee, bestätigte sich auch nicht, am Ende gingen wir ganz schön auf dem Packungsboden.

Ach, das interessiert den geneigten Leser nicht? Na, geh doch wo Du wohnst! Wobei, bist Du wohl, solche Berichte liest man ja meist zu Hause und nicht am Smartphone.

Wie dem auch sei, Schach gespielt wurde heute auch. Und wir mit der Fries-Nielsen-Doppelzange, da muss doch was gehen. Wobei, wenn wir dachten, durch familiäre Geschlossenheit zu punkten, dann hatten wir uns die falschen Gegner ausgesucht: Zwei Hinrichs, zwei Grötzbäche, zwei Sandern. Plus eine Schmidt und ein Bracker (ja, auch davon gibt es mehrere - aber nicht in dieser Mannschaft). Zur Pfeife des Tages wurde Dr. Schwarzkopf erkoren und der pfiff auch an, nach den üblichen Bemerkungen bezüglich Handy (wir sind ja auch alle durch die Bundesligaeröffnungsrunde mehr als gewarnt) und der neuen Bedenkzeit begann das Duell "alt gegen jung". Und wäre Johann Sander nicht gewesen, wären wir sogar in der Tat die 8 älteren Vertreter gewesen. Oder 9, der Berichtschreiber war ja auch da, endlich mal qualifiziert eingesetzt als Kaffeekocher.

Und wie das dann so ist, zunächst passiert nichts. Jens Ove (gegen Arne Bracker, 2254) und Niels Jørgen (gegen Jade Schmidt, 2116) spielen ruhig, wobei unterschiedlich konventionell, NJ hatte etwas, was nach normalem Aufbau wirkte, JO weniger. Christian an 3 begann gegen Jan Hinrichs (2008) mit einem Aufbau, wie ich sie auch gerne spiele - gutes oder schlechtes Zeichen? - allerdings tausche ich gerne den schwarzfeldrigen Läufer ab, dennoch gewann er das Düll um e4 vorerst. Matthias (gegen Julian Grötzbach, 2006) durfte endlich mal wieder einen gegnerischen Doppelbauern auf f6 erzeugen, Daniel (gegen Lars Hinrichs, 1877) kam trotz versuchtem Abweichlertums in eine relativ normale offene, beinahe Italienische, Stellung, Michael in seinem ersten Einsatz für uns gegen Daniel Grötzbach (1899) spielte normal, so weit ich das beurteilen kann, ich kenne seinen Stil noch nicht so, Martin (gegen Johann Sander, 2205 - die zweithöchste Elo an Brett 7) spielte um das Durchsetzen von d5 und Andrei versuchte sich an 8 (gegen Jean-Louis Sander, 1997, ach nein, das war das Geburtsjahr, 1800) mal wieder an klassischem Damenbauernspiel, nachdem er in letzter Zeit eher glücklos agierte.

Apropos "glücklos agierte", wie steht Daniel denn? That looks murksig. Verdamn murksy. Und in der Tat musst er früh die Dame gegen zwei Figuren und Bauern geben, kein guter Start. (Meine Alternatividee wäre noch grandioser gegen die Wand gelaufen, so sah es häufig aus heute, wenn ich mir in Stellungen etwas dachte und die Spieler nachher danach fragte - ich bitte das zu berücksichtigen, wenn ich irgendwo Stellungsbewertungen gebe, so können die um Faktoren wie 2 oder 3 oder gar -1 daneben liegen). Okay, also werden wir wohl gleich einem Rückstand, äh, nein, doch nicht, 1:0 für die Diagonale nach 80 Minuten. Schnell zu unserem Reporter ins Stadion.

"Ja, gar nicht mal so spektakulär. An Brett 8 stellte Andrei Cotaru einfach mal eine kleine Drohung auf - stand aber auch schon angenehm - und die wurde übersehen. Und wenn Weiß vor dem 20. Zug zu Dxg6+ kommt, ist das oftmals das Ende für Schwarz, so auch hier. Danach noch 5 Züge bis zum Matt, die sich Schwarz natürlich nicht mehr alle ansehen wollte."

Das ist ja schön mein lieber Föhn. Und wie geht es weiter? Nun, zunächst weiter. Es spielte sich so einiges ab, aber nichts spektakuläres. Vielleicht eine Gelegenheit die Besucher des Tages namentlich zu nennen: Silke, Armin und Enna, Finki, Rainerjott, El Jefe Presidente, Wasmuthsenior. Da geht noch mehr, lieber Verein, wer weiß, wann wir das nächste Mal Landesliga spielen? (Ich weiß es, am 25.11., nächster Heimkampf am 9.12.).

Ein Blick auf die Partien: Jens Oves Stellung mochte ich inzwischen nicht mehr so sehr, dafür verbrutzelte Arne einiges an Zeit, unter 10 Minuten Restzeit (ohne Bonus) bei nicht einmal 20 gespielten Zügen. Niels Jørgen schien mir strategisch komplett auf Gewinn zu stehen - nichts mehr, aber es war völlig unklar, wie Jade noch irgendwie spielen können sollte. Christians Stellung schien mir auch angenehm trotz der unorthodoxen Damenentwicklung (Dd8-c8-b7-c6), ich verrate aber schon einmal, dass das hier eine meiner Bewertungen mit Faktor "-1" ist. Die beiden Spieler sahen es anders, und auch wenn sie im Gegensatz zu mir natürlich keine Ahnung von dem Spiel haben, so haben sie doch einfach mehr Zeit in diese Partie investiert. Matthias stand einfach nur raumgreifend angenehm. Daniel - nun, er spielte seine Grütze noch. Aber wenn das eine rote Grütze war, dann nur, weil er blutete, lecker war das alles nicht. Michael Hollowleg caught too on, ongotake to stand (Michael Hohlbein fing auch an, angenehm zu stehen). Schöne Springer, schöne Felder, viel Raum. Martin stand solide, kam aber nicht so recht in den Quark, da er den Isolani auf d5 scheute, was seine Entwicklung etwas hemmte. Und Andrei war schon fertig. Übrigens hat Andrei schon die letzten Jahre immer gewonnen, wenn Silke dabei war, Silke, Du weißt, was das für die nächsten 7 Runden heißt?

13:50h also, alles ist drin, ich wechselte mit Gerd, der sich logischerweise 50% aus den letzten Partien wünschte, meine wilde Prognose, dass es mehr werden könnten. Der daneben stehende Christian dachte sich seinen Teil. Und ich glaube der Teil ging in die Richtung "gut, dass die Pappnase nicht spielt, der hat keinen Plan". In der Tat musste sich Christian inzwischen zwischen zwei Varianten entscheiden, die beide seinem Gegner ein Remis durch Zugwiederholung sicherten, aber beide eventuell auch ganz schief gehen könnten. Was nicht gut ist, denn Jens Ove hat seine Partie komplett weggewerft. So viel zu meinen "über 50%". Naja, Matthias steht klar besser, wohl auf Gewinn, mit Niels Jørgen zusammen... oh, Matthias hat gerade aus Frust seinen starken Angriffsspringer gegen einen immobilen Randspringer des Gegners getauscht und aus Frust darüber, dass er seinen starken Angriffsspringer gegen einen immobilen Randspringer des Gegners getauscht hat gleich eine Qualle sehr fragwürdig hinterhergeopfert...

Naja, in der Situation musste Jan Hinrichs nicht mehr viel riskieren und er ließ Christian in das Remis entkommen - 13:57. Eine halbe Stunde später sollte alles vorbei sein, jetzt ging es Schlag auf Schlag. Daniel gab Punkt 2 Uhr Nachmittags endlich auf, 1½:1½. Kurz darauf aber auch Jade gegen Niels Jørgen, inzwischen konnte sie sich aus ihrer bedrückten Stellung befreien, aber das kostete zu viele Klötze, 2½:1½ um 14:07h. Fünf Minuten danach sah Daniel Grötzbach ein, dass er seine Abwehr überlastet hatte, ein gezielter Einschlag von Michael und alles brach auseinander. 3½:1½. Wenn wir jetzt nur an irgendeinem Brett nicht schlechter stünden, zumindest irgendwo remis? Am ehesten noch Martin, der zwar nach wie vor passiv, aber eben solide spielte, bis, ja, bis er einen lupenreinen Dave einstreute. Das tut der Stellungsbewertung nicht gut - 3½:2½ um 14:21h. Wo sollte jetzt noch der Punkt herkommen? Von Jens Ove, der völlig überspielt war? Ja - denn Arne veropferte sich in Zeitnot, und 3 Bauern gegen Turm war am Ende im Mittelspiel zu wenig, 4½:2½. Genau der richtige Zeitpunkt für Matthias, sich nach einem Qualitätsrückopfer des Gegners Matt setzen zu lassen (beziehungsweise natürlich ebenso ein paar Züge vorher von sich aus das Handtuch zu werfen).

Nach zwei Runden also weiterhin weiße Weste, wobei wir auch in beiden Runden von der Zahl am Brett her stärker waren (Gesamtplus bislang dennoch 4 ganze DWZen). Aber das heute war doch eher glücklich. Klar war bei Martin und insbesondere Matthias auch mal mehr drin, klar hat Andrei okay gestanden auch ohne den Einsteller des Gegners, sodass ich den nicht zu hoch hängen will, aber da war nichts sicher. Souverän nur der Auftritt von Niels Jørgen, der Jade einfach langsam an die Wand spielte, ähnlich auch Michael. Umgekehrt war sein Bruderherz definitiv ein Glückskeks und nach eigener Aussage Christian auch, und das waren schon eher die Bretter, an denen wir "Nervenberuhigungspunkte" einfahren wollten. Naja, in der Summe haben wir zumindest Ganzsaisonnervenberuhigungspunkte eingefahren, noch 2 oder 3 und die Klasse könnte wirklich gehalten werden (wobei, irgendwann wird das teuer...), die Effizient Mannschaftspunkte pro Brettpunkt ist jedenfalls maximal. Aber der große Absturz kam dennoch - von Platz 1 auf Platz 3, da Marmstorf und Königsspringer höher gewannen und uns daher überholten (Achtung, wir waren in der Tat echte und alleinige erste, da bei Brettpunktgleichheit die Berliner Wertung zu unseren Gunsten ausgeschlagen hätte). Aber wenn wir ganz ehrlich sind, ein, zwei solcher Abstürze können wir uns noch locker leisten.

[Marten]

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