Des Erdenmannes schwere Bürde

So der Titel einer (durchaus empfehlenswerten) Sammlung humoristischer Science-Fiction-Kurzgeschichten von Paul Anderson. Unsere Erdenmänner von Diagonale III haben als eben Erdenmänner auch eine schwere Bürde zu tragen - keine Mannschaft im Hamburger Schach ist, wenn ich nichts übersehen habe, vom reinen Zahlenschnitt her weiter vor dem Zweitplatzierten. Die Bürde des Favoriten also - 120 DWZ vor Platz 2 ist viel. Erwähnen möchte ich zum Einen natürlich, dass unser Schnitt ohne den rekonvaleszenten Andreas ganz anders, niedriger, aussähe. Aber das sehen die Berichterstatter der Skandalpresse (Christian Z. vom HaSchVerband) ja nicht. Zum Anderen, dass in der Kreisklasse A zwei noch stärkere Mannschaften herumspielen, aber die sind eben zu zweit.

Unsere Jungs hingegen sind alleine, und so kam beim ersten Mannschaftskampf nur ein etwas trauriges 4:4 heraus - trotz aller Relativierungen oben aber eine Enttäuschung, denn alles andere als der direkte Aufstieg wäre sehr unter den Möglichkeiten, so stark ist die Mannschaft schon. Und Plaketten für Staffelsiege nehmen wir gerne auch noch mehr.

Also hieß es in Runde zwei: Mund abwischen und jetzt richtig losfressen. Zu Gast war Königsspringer VII, immerhin Tabellenzweiter (was nach einem Spieltag etwa plusminus Null Aussagekraft besitzt) - für die der Hamburger Seniorenreferent Martin Bierwald als Devise ausgab "nur nicht 0:8". Gut, das ist übertrieben. Schauen wir uns doch einmal unvoreingenommen die Namen der Spieler an:

An 1 Rainer J gegen Hans-Siegfried Seemann (1504), an 2 Armin gegen Viktor Gette (1630), an 3 Detlef gegen Hans-Joachim Schwanke (1600), an 4 Manfred gegen Dieter Carl (1461), an 5 Jürgen gegen eben Martin Bierwald (1360), an 6 Andi gegen Melchior Wendel (1183), an 7 Christoph gegen Rolf Falk (1228) und an 8 Joachim gegen Hans-Peter Brunnemann (1055).

Und während ich normal an dieser Stelle schreibe, dass zunächst natürlich nicht viel passierte, ist das in der Kreisklasse doch etwas anders als in der Landesliga - wegen der Arbeit nicht ganz pünktlich sah der Berichterstatter schon um halb Acht die erste Verluststellung des Tages, und zwar an Brett 7. Christoph hatte nach a6 und b6 lang rochiert und sah sich gezwungen, b5 nachzuspielen - diese Schwäche fiel auch schnell um. Zwar wäre sofort Lxb5 digital aus gewesen, aber auch das langsamere Knabbern mit a4 und c4 öffnete die b-Linie und die weißen Schwerfiguren kamen gewaltig.

Null zu eins um kurz vor acht, was aber fast gar nichts macht. Das reimt sich nicht nur, es ist obendrein auch noch von der Metrik erträglich - zumindest wenn man leiert wie ein Siebtklässler beim Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland - und es ist vor allem wahr. Denn an 8 war Joachim doch zu souverän, gewann mehr und mehr und schließlich war vorbei, ohne dass es je in Zweifel gestanden hätte.

Eins zu eins steht's also jützt, was jedoch wenig nützt. Das reimt sich nicht mal mehr wirklich, es ist auch metrisch eine totale Katastrophe (da fehlen Silben!) weswegen es auch der letzte Gedichtversuch bleiben soll. Aber wo wir gerade bei "Katastrophe" sind, und Sportjournalisten ja selbst einen verhonkten Einwurf gerne so hochjazzen: Jürgen kam bei einer Abtauschorgie eine ganze Figur abhanden. Das sollte zur Niederlage reichen und tat es auch - 1:2. Zum Glück wiederum hatte Andi sich souverän vorgewurschtelt und schoss postwendend den Ausgleich.

Ein munteres Hin und Her und 2:2 - die hinteren 4 Bretter sind abgehakt und gerade mal 100 Minuten gespielt. Aber Moment, war es nicht gerade hier, wo unsere Vorteile lagen, hinten? Wie sieht es denn vorne aus?

Nun, Rainer steht souverän gut, Armin an sich auch, Detlef weniger, Magic Manni nicht so doll, doch so doll, naja, eher schwächer, ich meine stärker. Etwas wechselhaft heute, der Guteste. Und er hatte Zeit zum wechselhaften, denn zwischen der Beendigung von Partie 4 und der von Partie 5 lag mehr Zeit als zwischen Anpfiff und Partie 4. Und als beendet wurde, war es der Mannschaftsführer, der mit gutem Beispiel voranging - die Stellung ließ er sich nicht mehr vom Brot schmieren, 3:2. Detlef stand inzwischen zwar auch ganz annehmbar, aber da beide Bretter neben ihm gut standen, naja zumindest eines, okay, beide, also zumindest Armin - Manfred, mach gefälligst keine Züge, wenn ich einen Satz zu schreiben versuche! - nahm Detlef den Spatz in der Hand zum 3½. Und auch wenn es noch etwas dauern sollte, so sollte doch nichts mehr anbrennen - Armin gewann und sicherte den Sieg, und Manfred pendelte sich in der Mitte ein.

In der Summe ein 5:3, das dem gezeigten Spiel entspricht - aber uns bei am Brett 140 Vorsprung im Schnitt doch einiges an DWZen kostet. Bis zum Saisonziel Staffelsieg ist es also noch ein weiter Weg - und die berühmte Verbesserung tut not. Aber so lange der Gaul so hoch springt, wie er muss... (wobei aus den 9 Brettpunkten auch 4 Mannschaftspunkte hätten gemacht werden können, das nur so am Rande.)

[Marten]

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