Schach in der Nachbarschaft

Liebe Freundes des königlichen Spiels,

heute berichten wir über das Sommerfest bei Fördern und Wohnen Sinstorf . In dieser Einrichtung leben Familien aus vielen verschiedenen Ländern.

Das jährliche Sommerfest dieser Einrichtung zeichnet sich durch fröhliche Kinder, freundliche Mieter der dortigen Wohnungen und eine warmherzige Gastfreundschaft aus. Zeit also das königliche Spiel einzubringen. Unter einem schattigen Baum wurden drei Tische nebst Schachbretter aufgebaut. Kaum war das geschehen waren sie schon mit Schachenthusiasten belegt. In vier folgenden Stunden gab es äußerst packende Partien. Die Akteure hierbei kamen Afghanistan, Persien, Syrien und dem Kosovo.

Die Vertreter des Hindukuschs an der Elbe machten dem Ruf Afghanistans als schachbegeisterte Nation alle Ehre. Yasin (so sein Vorname)T spielte früher im berühmten Schachclubs von Kabul. Dieser wurde nach dem Ende des Talibanregimes von der niederländischen Botschaft wieder mit aufgebaut und spielt heute eine zentrale Rolle im afghanischen Schachleben. Taktisch hoch versiert gingen von fünf Partien zwei verloren, eine unentschieden gegen den Hamburger Vertreter, Jürgen Woscidlo aus. Kleine Notiz am Rande: 2008 spielte zum letzten Mal eine afghanische Schachnationalmannschaft bei der Schacholympiade in Dresden.

Der iranische Vertreter, der seit seiner  Kindheit Schach in Teheran spielte, ging gegen den Hamburger Vertreter mit spielerischem und positionellem Witz zu Werke. Das Ergebnis nach drei Partien: 1,5:1,5 .

Die Gespräche waren erfüllt von den persischen Begriffen erfüllt: Asp (Pferd) ,Fers (Dame) und  gaben dem Ganzen dem Anstrich einer Zeitweise durch die Schachgeschichte. Es waren nicht Partien einer gegen den anderen. Vielmehr standen die Zuschauer um die Bretter und nähmen lebhaften Anteil am Geschehen auf dem Bretter. Einen so kommunikativen Schachtag gab es in Sinstorf selten. Wunderbar! Den Schluss bildete der Vertreter des Kosovo. Er spielte technisch nahezu fehlerfrei. In den drei Partien ließ er keine Möglichkeit aus materiellen, positionellen Vorteil zu kommen. Besonders im Endspiel zeigte sich seine überragende Stärke. Nach drei Partien stand es 1,5:1,5. Der Vertreter des Kosovo machte der großen jugoslawischen Schachschule alle Ehre.

Fazit:

  1. Solche Schachbegegnungen sind wertvoll. Obwohl es mit der Sprache nicht immer klappte, gab es doch keine Missverständnisse, da die Kommunikation über das Schachbrett erfolgte.
  2. Die Schachvereine in Harburg würden eine echte spielerische Bereicherung erfahren, wenn sie diese Spieler in ihren Reihen aufnehmen würden.
  3. Die Spieler aus der Wohnanlage Sinstorf sollten den Mut aufbringen auf die Vereine zu zugehen.
  4. Fördern und Wohnen sollte Schach in seine Einrichtungen holen und eine eigene Turnierserie aufzulegen. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Schachbund kann hieraus ein großartiges Integration-und Schachprojekt entstehen. Gerade weil aktuell viele Menschen aus Syrien, Afghanistan und Iran kommen gibt es für den Schachsport ein großes Potential.

Für fördern und wohnen Sinstorf gilt: Nach dem Fest ist vor dem Sommerfest!

In diesem Sinne
Glück Auf!!

Jürgen Woscidlo

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