HPMM: Aus trotz fynntastischer Leistung

Gibt es Schöneres als die letzten Klausuren im Studium mit ein bisschen Schach am darauffolgendem Wochenende zu feiern? Da die offensichtliche Antwort auf diese Frage „Nein“ lautet, startete ich eine Woche vorher den Aufruf, eine Mannschaft für die Hamburger Pokal-Mannschaftsmeisterschaft zu versammeln. Innerhalb einer knappen Stunde hatten wir diese auch schon zusammen. Kurzfristig tauschte sich die halbe Mannschaft nochmal durch, doch Ersatz stand dermaßen schnell parat, dass Notnotnotnot(-not?)fallsmann Marten nicht zu lange im Ungewissen bleiben musste, ob man ihn an seinem wohlverdienten Wochenende doch noch ans Brett zwingen würde. (Danke an dieser Stelle trotzdem für die Bereitschaft 😉 )

Um 14 Uhr (sogar für einen Studenten eine humane Zeit) begann vor Ort in der Schule „Alter Teichweg“ die Auslosung der Paarungen. 9 Teams waren im Topf. Die gute Nachricht war, dass wir nicht das Freilos erwischten. Die schlechte Nachricht war, dass wir mit Diogenes die vermutlich stärkste Mannschaft an diesem Tage zugelost bekommen haben.

Es erwartete uns also ein echtes David-gegen-Goliath-Duell mit den Partien

  1. Ich (Christoph) – Fabian Schulenburg (DWZ 2210/ELO 2250)
  2. Haschem – Torben Schulenburg (DWZ 2111/ELO 2176)
  3. Said – Ralf Hein (DWZ 2008/ELO 2048)
  4. Fynn – Wolfgang Hohlfeld (DWZ 1983/ELO 2062)

Ich versuchte mit einem scharfen Sizilianer möglichst viele eigene Gewinnchancen zu kreieren, während mein Gegner mit einem g3-Abspiel eher ruhigere Töne anklingen ließ. Mit einigen Figurenabtäuschen strebte er eine Stellung „bessere Struktur vs. aktivere Figuren“ an. Die Partie blieb bis zum Endspiel im dynamischen Gleichgewicht und endete bald darauf im Unentschieden. 0,5 – 0,5

Haschem spielte gegen Torbens Grünfeldindisch eine Variante, die ich zufälligerweise vor ein paar Jahren auch schon gegen diesen gespielt hatte. In einer symmetrischen Struktur ließ er allerdings die schwarzen Figuren so aktiv werden, dass gleich in der Eröffnung ein Bauer abfiel. Haschem baute eine optisch gar nicht so schlecht aussehende Blockadestellung auf, aber am Ende zahlte sich das Mehrmaterial des Schwarzen doch aus. 0,5 – 1,5

Fynn spielte von Beginn an gegen seinen 1200-stärkeren Gegner eine konzentrierte Partie. Zwischendrin ging mal eine Figur flöten -ein bisschen Schwund ist immer-, aber Fynn erkämpfte sich erst einen, später einen zweiten Bauern dafür und vor der Zeitkontrolle zog sein Gegner mit einem Remisangebot die Notbremse, nachdem Fynns Bauern durchaus bedrohlich vor der feindlichen Rochadestellung aufgetaucht waren. Sehr starke Leistung und ein Erfolg, den ihm sicher jeder gegönnt hat! 1 – 2

Leider waren wir zu diesem Zeitpunkt (der Berliner Wertung sei Dank) schon ausgeschieden. Said kam in der Eröffnung unter Druck, aber erschwindelte sich mit einigen Taktiken einen Mehrbauern. Vor der Zeitkontrolle musste er diesen aufgrund des gegnerischen Drucks wieder zurückgeben und es entstand ein Endspiel, in dem Saids a + b-Bauer gegen die gegnerischen Zentrumsbauern laufen würden. Leider besaß Ralf mit seinem Läufer die bessere Figur für so einen Flügelwettlauf (Said hatte einen Springer) und stoppte lehrbuchmäßig die gegnerischen Bauern, während die eigenen durchliefen.

1 – 3

Am Ende waren die Gegner heute also doch zu stark. Gegen andere Mannschaften hätten wir vielleicht mehr Land gesehen, aber gerade Fynns Achtungserfolg war nichtsdestotrotz Grund genug trotzdem mit zumindest einem lachenden Auge nach Hause zu gehen 🙂

Christoph

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