Runde 6
Union Eimsbüttel 3 - Dia 1

Seit über 10 Jahren spielt die erste Mannschaft in der Bezirksliga C,
und seit Menschengedenken war einer der Gegner immer Union Eimsbüttel
3 (selbst wenn sie einmal aufstiegen). Als wegen der
Freitagsstaffeleinführung auf einmal beide Mannschaften in Staffel B
wanderten, da hätte man merken können, auf alte Traditionen kann man
sich nicht mehr verlassen. Und siehe, dieses Jahr drohte ein
verlassen. Nach 5 Spielen führte Union die Tabelle mit 10:0 Punkten
an, wir folgten mit 9:1 und gar wahrscheinlich scheint, dass eine
dieser Mannschaften nach höheren Stadtligaweihen strebt. Das wollen
dann aber, wenn schon alle Stricke reißen, bitte wir sein.


Die erste gute Nachricht vor dem Kampf: Michael F. konnte zwar nicht,
aber dafür Andi, der immerhin die letzten sieben Milliarden Spiele als
Reservespieler in der ersten Mannschaft alle gewonnen hat (na gut, nur
die letzten 5). Die zweite gute Nachricht dann vor Ort, Union
verzichtete auf den Einsatz von Birte Zehner, die Zeit ihrer Karriere
immer ihren Diagonalen Gegner becircte und gewann (nur Andrei konnte
mal gegen sie punkten). Statt einem moralischen 0:1 hinterher zu
laufen, also mit einem moralischen 1:0 in die Startlöcher, was will
man mehr. Martin gab trotz des Rückstandes als Devise aus "ein 4:4
reicht, aber bitte keine Remisen".


Nach einer Stunde ein Zeit für den ersten Rundblick: Marten (also ich,
gegen Thomas Kirsch, 1952) hatte an 1 einen Bauern gewonnen, sah sich
dafür aber einer halboffenen Linie gegen die Rochade ausgesetzt. Alles
in allem aber wohl eher besser. Martin an 2 hatte eine ganz nette
Stellung mit viel Raum - naja, wenn der Gegner (Ralf Adloff, 1912)
auch partout so einen Quark wie 1.b3 aufs Brett setzen muss. Michael
T. hatte an Brett drei gegen Daniel Starke (1897) eine ebenfalls nett
aussehende Stellung, der eine gegnerische vorgerückte Bauer schien
eher schwach als beengend. Dafür stand David an vier (gegen Roland
Gehn, 1871) dank eines verunglückten Läuferausflugs mit
Wenigerfreibauer eher nun ja also. Andrei an 5 hatte schon mit
gesundem Mehrbauuer gegen Alfredo Vehar (1904) Remis geboten, Feliu an
6 stand wie Feliu an 6 immer steht, undurchschaubar, langweilig,
remisverdächtig (gegen Peter Freitag, 1841), Rainer an 7 hatte nettes
Spiel durch das Zentrum und Felderschwächen auf d6 von Schwarz (gegen
Natascha Fleischmann 1686), Andi an 8 hatte einen Zug für jeden seiner
Mitspieler gemacht und dann die Uhr angehalten, da ausgerechnet er auf
ein (und sein Lieblings-) Opfer auf f7 hereinfiel, mit kurze Zeit
später umkippender Leichtfigur. Also 0:1, aber es ging noch, alles in
allem fast besser für uns.


Das heißt, mir wird gerade berichtet, dass Rainer an 7 einen
interessanten Opfergedanken hatte, und leider jetzt eine weitere Figur
hinterherstecken muss, um ums Dauerschach zu kämpfen - da David
mittlerweile total auf dem Acker stand, mussten wir also nach
Möglichkeit an allen andern Brettern gewinnen. Wobei Martin inzwischen
eher bedrängt stand (aber bei den Klötzchenpositionen seines Gegners
eigentlich beide hätten aufgeben sollen), ich hatte inzwischen ebenso
wie Michael an 3 eine klar bessere Stellung, Andrei hatte die schönere
Stellung und Feliu stand wie Feliu eben so steht. Wenn wir uns
reinknien, also so richtig, dann vielleicht ein 4:4. Naja, dann knien
wir mal.


Ich hatte inzwischen an Brett eins die Auswahl zwischen einem Endspiel
mit 2 klaren gesunden Mehrbauern, einem mit 2 Mehrbauern und
getauschten Damen, wobei die Bauernstruktur eher schwächer aussah, und
einem vernichtenden Mattangriff, entschied mich für den Mattangriff
und stolperte in ein Turmopfer mit Dauerschach meines Gegners. Während
wir im Nebenraum das Brett zur Analyse aufbauten, kam die Meldung,
dass Dave und Rainer (wird seine Gegnerin die neue Birte Zehner?) die
Segel gestrichen haben, und Michael selber einen Turm geopfert hat,
aber mehr unfreiwillig, und auch aufgeben musste. Plumps - 0,5:4,5.
Feliu spielte nun wie Feliu eben spielt, und beim Stande von 1:5 ergab
die Hinzuziehung eines Regelexperten, dass hier wohl nur noch wenige
Blumentöpfe zu holen sind. Andrei, durch Krankheit geschwächt der
einzige mit einer brauchbaren Ausrede, demontierte inzwischen seinen
Gegner - ohne dass rein auf den ersten Blick so viel los schien, war
schwarz bereits zertrümmert, weil seine Türme am vollkommen falschen
Flügel urlaubten, während dessen merkte Martin, dass eine Mehrdame
manchmal nur einen relativen Wert darstellt, und ergab sich den Bauern
und Türmen die auf ihn zurollten. Ein 2:6 - und eine Niederlage der
Art, die in Deutlichkeit und auch Eindeutigkeit und Langeweile des
Zustandekommens keiner aus alten Tagen erinnern wollte. Dabei zeigten
wir dann in der Schnulze, dass wir so inkompetent gar nicht sind,
immerhin 5 Leute schafften es, ihre Getränke ohne zu plörren zu
verspeisen.

(Marten)