Diagonale - Pinneberg 2

Ein frohes neues Jahr der geneigten Diagonalenhomepageleserin, dem geneigten Diagonalenhomepageleser!


Ein neues Jahr, ein gutes Jahr? Nach dem letztlich knapp aber klar verpassten Aufstieg des letzten Jahres sollte man auf Aufstieg gehen. Nach der Neubesetzung der Staffel wird das allerdings nicht leicht. Nach dem Aufstieg der zweiten in die Bezirksliga sollte aber auch das Ziel "wir sind besser als wie die sein tun, immerhin können wir die guten abschöpfen" nicht außer Acht gelassen werden. Priorität Nummer 1 allerdings ergibt sich daraus, dass Schwarz-Weiß in unsere Staffel kam.


Nun denn, bei der Begrüßung der Gäste aus Pinneberg deutete Martin auch schon an, wie es laufen soll. Wir wünschten ihnen viel Erfolg im Kampf um den Aufstieg und uns viel Spaß. Nunja, die Herren waren auch im Schnitt so 50-100 Pünktlis höher eingestuft als wir, die wir in Beinahebestbesetzung antraten - Kollege Feske murmelte was von "Nächstes Jahr zweite Mannschaft, dann kann ich vielleicht mal sechs Partien spielen" und drückte sich, der für den Verein "Diagonale 2" spielberechtigte Dr.Laugwitz konnte dafür angeworben werden.


Der Start ins neue Jahr war jedoch verheißungsvoll. Martin an 2 bekam relativ schnell eine Stellung aus guten alten D-Jugend-Tagen, beinahe ein d3-Italiener mit Doppelrochade, nur schwarzes Le7 statt Lc5 - was zwar auf den h3-g4-Vorstoß ein Opfer ermöglichte, das wäre aber wohl inkorrekt gewesen, wenngleich schwer zu verteidigen, blieb aber auch aus, sodass Initiative und Raumvorteil bei Martin waren. Daves Gegner an 3 improvisierte eine Art Blackmar-Diemer-Gambit, mit dem gewohnten Wenigerbauern, aber ohne wirkliche Kompensation. Marten (also ich) an 4 bekam ein Läuferpaar und eine nettere Bauernstruktur, nix zwingendes, aber schonschön. Andrei an 5 stand leider schnell unter Druck und entschied sich zu einer unübersichtlichen Tauschvariante, an deren Ende ein Wenigerbauer stand. Jens an 6 brachte bei ungleichen Rochaden einen Angriff vor, der etwas schneller schien, als der seines Gegners, auch wenn der als Schwarzer die Dame schnell nach a1 in die lange Rochade stellen konnte. Andreas an 7 spielte schnell, denn er kannte die Variante, und auch für den unbeteiligten sah es so aus, als ob der weiße rückständige e-Bauer nur noch drei oder vielleicht fünf Züge hatte, sein Testament zu verfassen. Rainer an 8 stand unspektakulär, hatte aber mehr Raum für seine Figuren - weswegen der Gegner wohl auch einige Figuren in Rainers Revier zum Tausch anbot.

(Bretter 5-8 links: Andrei Cotaru (5), Jens Finkhäuser (6) und stehend Rainer Laugwitz)


Andreas war dann der erste, der die Uhr abstellen durfte. Von wegen "rückständiger Bauer" - auf einmal drohte nach einem eher unauffälligen Läuferzug alles, vom einzügigen Läuferschlag bis zum Familienschach, und in der Tat war die einzige Frage, die sich ergab, in welcher Reihenfolge man was abholen wollte. Andreas entschied sich für die Figur (statt Dame gegen Turm und Figur), holte noch eine Qualle hinterher, und dank drohenden Damentauschs wollte der Gegner wohl nicht K5Bauern gegen KT6Bauern spielen. 1:0 um 21:35h.

Bretter 1-4: Kuhn -Matthias Wasmuth (1), Von Wersch - David Hernandez (3) und Marten Holst - Griwenka (4)


Inzwischen strahlte Rainers Einfluss von Brett 8 über den Saal aus (apropos "ausstrahlen": Matthias Springer auf a8 und a7 strahlten zu diesem Zeitpunkt auch beinahe über das ganze Brett aus). Während er seine Dame wohl noch völlig zu Recht tauschte, tauschte Finki mit der Dame auch einige Angriffsdrohungen weg, während mein Damentausch zwar nichts kaputtmachte, aber symptomatisch dafür stand, dass ich mich auf meinem Vorteil hinsetzte und ausruhte, statt weiterhin Schach zu spielen. Martin tauschte zwar nicht die Damen, aber vielleicht eine Leichtfigur zu viel, und es drohte arge Langeweile (es sei denn, er nähme einen der diversen hängenden vergifteten schwarzen Bauern mal raus - das wäre dann nicht langweilig, aber auch nicht gut gewesen). In kurzer Folge kam dann ich zum Remis (zu früh - der Läufer hätte nach Stellungsöffnung dem Schwarzen mit seinem Springer doch genug Probleme bereitet, dass man sich das noch hätte ansehen sollen, das Remis wäre wohl nicht weggelaufen), ebenso Martin (wohl berechtigt, viel war nicht mehr los), 2:1 um 22 Uhr. Inzwischen gab Andrei einen zweiten Bauern, Dave holte einen zweiten (diesmal bekam Weiß aber etwas Kompensation dafür), und Jens und angeblich Rainer fingen an im Endspiel zu wackeln. Letztere Prognose war aber entweder falsch, oder wurde zumindest nicht von den Beteiligten geteilt, statt dessen wurde von den Beteiligten der Punkt geteilt.

Bretter 1-4: Kuhn -Matthias Wasmuth (1), Martin Becker - Jarnuczak (2), Von Wersch - David Hernandez (3) und Marten Holst - Griwenka (4)


Während Matthias an 1 versuchte, den auf dem schwarzen Damenflügel rumtobenden weißen Turm einzusammeln, kamen die Ergebnisse nun im flotten Tempo: Jens hatte ausgewackelt und verlor (nachdem ihm zwischendurch der Mannschaftsführer das Remis verbot, und später der Gegner nicht mehr wollte), um 22:22h glich der Favorit Pinneberg also doch noch aus. Aber gleich darauf schlug Kollege Hernandez zu - zwar hätte sein Gegner noch ein, zwei Tricks aus der Initiative für den zweiten Bauern ziehen können, fand aber im entscheidenden Moment Te1 nicht, und hatte danach einfach zwei Kleinklötze weniger, sodass wir wieder führten - allerdings auch nur ein halbes Stündchen, denn Andrei gab das Endspiel nach spontanen Figurentauschanfällen auf. Zwar korrekterweise, es war nichts mehr objektiv zu holen, aber nach ersten Analyseideen waren durchaus noch Schummelschangsen da. (Anmerkung zu dieser Partie: Andrei hatte fast durchgehend die bessere Zeit.)

Brett 3: Von Wersch - David Hernandez


Dreikommafünfzudreikommafünf - und an 1 hatte Matthias die Qualle einsammeln können. Eine Sensation? Neinnein, keine Panik. Der Läufer konnte die offenen Reihen des Turmes blockieren, der König kam auch nicht in die gegnerische Stellung, und immerhin gab es für die Qualle ja auch zwei Rülpser, äh, Bäuerchen zum Ausgleich, sodass letztlich alles schiedlich friedlich remis ausging. Das Spiel und der Kampf.


Als Fazit: ein netter, athmosphärischer und spannender Eröffnungskampf für 2008 mit netten Partien, in dem mehr drin gewesen wäre (speziell bei Finki und dem Laberonkel), aber auch weniger. Letztlich haben wir gegen einen nominell deutlich stärkeren Gegner ein verdientes Remis erspielt und sind damit allen Saisonzielen - bis auf dem wichtigsten - einen kleinen Schritt näher gekommen. [Marten]