Runde vier führte uns nach Blankenes zum THC Rot-Gelb, in dessen Vereinslokal ja im Obergeschoss gespielt wird. Uns fehlte leider aus persönlichen Gründen Martin, statt dessen spielte RainerL seinen vorletzten Einsatz dieser Saison für unsere Mannschaft. Aber auch die Gastgeber waren nicht in der Nominellen Bestbesetzung angetreten, Gerd und Rainer bekamen es mit nominell deutlich schwächeren Reservisten zu tun, wobei Rainers allerdings auch noch ziemlich jung war, was bekanntermaßen die Aussagekraft solcher komischer Dwzen abschwächt.


Der Mannschaftskampf begann durchaus nicht 100%ig unähnlich dem letzten gegen Altona: Dave hatte eine ähnliche Variante auf dem Brett, diesmal aber mit einem Tempo mehr und somit ohne die Not, nach 65 Minuten aufzugeben. Aufgegeben wurde statt dessen sehr schnell der Kampfgeist an den Brettern 5 und 6 bei Andreas und Jens, die in kurzer Folge zum 1:1 Remis gaben. Zwar war in den Stellungen nichts los, aber andererseits war in den Stellungen auch nichts los, und die Zeit reichte um 20:10 Uhr sicherlich auch noch, um bissel abzuwarten und vielleicht auch den Mannschaftsführer zu fragen, ob das in Ordnung ginge. Ein ähnliches Thema wurde ja auch schon in einem Bericht zur zweiten Mannschaft angesprochen - sollte uns unser Vorteil, als Mannschaft aufzutreten, der uns immer die DWZ-Defizite ausgleichen lässt, abhanden kommen?


Aber vielleicht waren die beiden auch nur von einer fiesen Maßnahme der Gastgeber verwirrt und hatten die Toiletten aufgesucht, auf der laut und deutlich zu lesen war "Bitte nach Benutzung die Spülung betätigen. Das ist der weiße Knopf. Der nächste User möchte auch ein sauberes WC vorfinden. Sollte eigentlich selbstverständlich sein." Und während es durchaus selbstverständlich scheint, dass man ein sauberes WC vorfinden möchte, so deutet das auf virtuelle Realitäten anspielende Wort "User" schon auf das Kernproblem hin: wir wissen nicht, ob es irgendwo im Vereinsheim des THC Rot-Gelb einen weißen Knopf gibt. Es ist nicht unwahrscheinlich - vielleicht auf der Kaffeemaschine in der Vereinskneipe? Auf der Toilette gab es jedenfalls keinen, der Knopf war nur virtuell weiß.


Aber ich lenke ab. Zurück zu David: der hatte nicht nur nicht ein Tempo mehr als letztes Mal, er hielt auch den gegnerischen König im Zentrum fest, verhinderte die Rochade, und die Idee seines Gegners, Gegenspiel auf f7 zu suchen, war fatal, denn Sf3-g5 löste die Deckung von d4, und die schwarze Streitmacht fiel komplett über den weißen Monarchen her. Die Frage "Matt in 2 oder Damenopfer?" sollte nicht mehr beantwortet werden, die Uhren wurden angehalten, 2:1 für die Gäste.


An Brett drei hatte ich - in einer Partie, die nachher Fritz beinahe in die Selbstlöschung getrieben hätte, so voller Ungenauigkeiten auf beiden Seiten war sie - zunächst meinen Gegner völlig überspielt: ein Riesenläuferpaar auf c4 und d4 hatte nicht nur zwei Mehrbauern herausgeholt, sondern auch den gegnerischen König nach h6 aus der Sicherung durch seine Bauern herausgeschacht. Leider waren aber keine Damen mehr auf dem Brett, und auch diverses anderes Material musste/durfte getauscht werden. Zwar flog dabei noch ein Bauer weg, aber im (gleichfarbigen) Läuferendspiel mit Mehrbauern konnte zuerst der Läufer eingesperrt werden, dann ein Freibauer außerhalb des Königsquadrats gebildet und dann der Läufer abgetauscht werden. 3:1 für die Agonale.


Apropos Agonie - das sah zwar alles ganz hübsch aus, aber langsam wurde es leider doch unangenehm. Analog zu den Zweierblöcken (zwei vorschnelle Remis, zwei überzeugende Siege) entschlossen sich Gerd und Rainer an 7 und 8, jeweils eine Leichtfigur wegzugeben. Gerd (mit immerhin starkem Angriff) und Rainer (ohne Angriff) spielten zwar noch weiter, aber wie das gut gehen sollte, blieb unklar. Matthias an 1 stand wie üblich wirr, nicht ganz verwunderlich gegen Urban, der im Gegenzug "Altonaer SK" spielte, was die Leute selber dieses Jahr ja nicht taten, und im Vereinslokal die Monatsmiete entrichtete. Andrei an 4 hatte ein materiell ausgeglichenes Endspiel, aber es war klar der Gegner am Drücker. Trotz der Führung mussten wir eher um das Remis zittern.


Der erwartete 3:2-Anschlusstreffer fiel bei Gerd, der Gegner fand einen Befreiungszug, der zumindest weiteres Material gewann, wahrscheinlicher aber Mattging. Auf jeden Fall wechselte zu dem Material noch komplett die Initiative, nichts mehr zu holen. Rainer kämpfte zwar weiter. musste aber erst eine zusätzliche Qualle, dann einige Bauern geben, und als sein Gegner unter Turmopfer den Generalabtausch der letzten drei Figuren erzwang ergab sich ein reines Bauernendspiel mit 5:2 Bauern (grob geschätzt), das dann wirklich nicht mehr spielbar war. Ausgleich.


Andrei versuchte inzwischen, am figural unterbesetzten Königsflügel mit eigener Bauernmajorität irgendwie Gegenspiel zu erfinden, während Matthias an 1 in Erklärungsnotstand geriet, wie er den isolierten b-Bauern halten will. Leider waren beide Seiten in Hektik (so uhrenmäßig und so), kannten Brett 4 nicht, und schafften so gerade die 40 Züge, worauf Remis vereinbart wurde - Urban hätte nur noch Matthias' eingedrungenen Turm tauschen und die beiden b-Bauern auf den beiden b-Linien abholen müssen und hätte einfach problemlos besser gestanden, machte aber aus konditionellen Gründen Remis. Matthias konnte nicht mehr viel holen.


Das Urbansche Remis war aber um so berechtigter, als Andreis Königsflügelspiel leider Schwächen erzeugte, auf denen der Weiße eindringen konnte, und es fiel Bauer um Bauer, der Durchmarsch war nicht abzuhalten. Nun war also Blankenese eine Gewinnpartie vorne. Hätte man jetzt noch eine der beiden offenen Partien aus der Anfangsphase am Laufen gehabt, so hätte man sich dort einen Hebel zurechtzumeißeln versuchen können, aber alles hätte, wäre, wenn gilt hier nicht. Alle 8 Partien waren um, Blankenese gewann eine mehr, das macht 4,5:3,5 - in einem athmosphärisch netten und spaßigen Mannschaftskampf, und das ist ja sicher das wichtigste.


Nun aber heißt es, neue Perspektiven einzunehmen, wir sind klar in der unteren Tabellenhälfte kurz vor den Abstiegsrängen. "Irgendwie um den Aufstieg mitspielen" ist tot, es geht ums blanke Überleben. Und wir sind hinter Schwarz-Weiß...
Von sechsen, die auszogen, das Spielen zu lernen.


Spieler sind wir ja alle irgendwo. Schach zumindest. Und vielleicht privat gerne mal das eine oder andere Spiel. Diverse von uns sind auch dem allgemeinen Brett- und Kartenspiel zugetan, und so mag es nicht verwundern, dass vier von uns (Kirsten, Rainer J, Dave und Marten) bereits seit einigen Jahren unter dem Teamnamen "Dia Rdinn" (Gesprochen in etwa: "Dia win", das "R" spricht sich eher offen und ungerollt, das "D" ist ein heiliger und stummer Buchstabe) bei den Vorrunden zu den deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Brettspiel mit wechselndem Erfolg mitspielen (einmal Platz 6 von 20 und knapp vor der Qualifikation zur Finalrunde, einmal eher unterdurchschnittlich). Zum Namen wäre zu sagen, dass wir mit "Dia" anfangen wollten, wie wohl verständlich sein dürfte. Und während böse Buben behaupten, wir hätten willenlos Buchstaben aus einem Scrabblebeutel gezogen (aber wieso sollten es dann 5 sein?), so verweisen wir auf den walisischen Namen der keltischen Siegesgöttin, die ja jedem von dem berühmten Reliefwandteppich von Mynyd Pwllhelli ap Llwywr (zu sehen im Millenium Museum in Cardiff) ein Begriff sein dürfte.


Auch Vereinsmitglied Marcel H. aus H. bei H. in der Nähe von H., Stadtteil von H., Sohn von Manfred H. aus H. bei H. in der Nähe von H., Stadtteil von H., bekam mit, wie wir darüber diskutierten, und dachte sich erstaunlicher Weise "was die können, kann ich auch". Da er es aber nicht alleine kann, immerhin geht es um Vierermannschaften, berief er sich einen Kumpel und zwei Kumpelinnen zusammen und gründete die Mannschaft "Fisch" aus Harmstorf und meldete sich ebenfalls an.


Da das erst fünf sind, die auszogen, das Spielen zu lernen, musste aber natürlich einer der Fische, genannt "Mave" abspringen, sodass in einer Nacht- und Nebelaktion Manfred H. aus H. bei H. in der Nähe von H., Stadtteil von H., Vater von Marcel H. aus H. bei H. in der Nähe von H., Stadtteil von H., die Regeln eingetrichtert wurden, damit man zu viert antreten kann. Vor Ort wollte sich "Fisch" dann anlässlich dieses Anlasses umbenennen, aber nicht, wie wir dachten, in "Mighty Manni and his Minions", sondern in "Rosa-Gelb Hittfeld". Ging aber nicht mehr, und so trat eine vollwertige Diamannschaft (Dia Rdinn) und eine halbe Portion ("Fisch") an.


Die Struktur des Wettbewerbes ist relativ einfach: es werden vier Spiele aus vier verschiedenen "Genres" jeweils mit vier Personen gespielt, der Sieger bekommt 5 Punkte, platzierte Spieler je nach Platz 3, 2 oder 1, bei Gleichstand werden die Punkte gleichmäßig geteilt. Die Mannschaft mit den meisten kumulierten Punkten am Ende gewinnt. Dabei werden die Partien so zugeteilt, dass jede Mannschaft bei jedem Spiel jede der vier Startpositionen einmal spielt, und insgesamt gegen jedes andere Team möglichst gleich oft antritt, aber natürlich nie gegen eigene Teammitglieder. Die vier Spiele in diesem Jahr waren "Can't Stop" (Glücksspiel), ein abstraktes Würfelspiel der Abteilung "dem Mutigen gehört die Welt, wenn er nicht auf die Schnauze fällt", "Caylus" (Strategiespiel), ein komplexes Ressourcenmanagementspiel um Bauwerke und so genannte "Günste", das im Spielverlauf keinerlei Zufallselemente enthält, "Thurn & Taxis" (Familienspiel), ein Spiel um den Aufbau einer möglichst punkteträchtigen Postkutschengesellschaft in Süddeutschland plus anliegenden Kuhdörfern durch Sammeln benachbarter Städtekarten, sowie "Wizard", eines der Spiele, bei dem man vorhersagen muss, wie viele Stiche man mit einem vorgegebenen Blatt genau zu machen gedenkt, wie man es in Varianten sowohl veröffentlicht ("Rage", "Die sieben Siegel") als auch als Standardspiel mit Standardkarten ("Fahrstuhl", "Auf und ab") vielleicht schon kennt.


Der Verlauf aus Sicht von "Dia Rdinn" war in der Summe anständig. Gleich in der ersten Runde beim Can't Stop kam es zu den ersten Duellen gegen die Fische (Rainer traf auf Notnagelmanfred), Rainer behielt den ersten Platz für sich, Manfred wurde aber nach Hadern mit den Hexaedern respektabler zweiter. Marten traf auch auf eine Fischine, auch hier blieb der Dia Rdinn-Spieler besser (2. gegenüber 3. Platz), Kirsten wurde auch 1. an ihrem Tisch, Dave erreichte hingegen den selben Platz, den er immer bei den "Glücksspielen" erreicht, nämlich den allerallerletzten. Mit 14 Punkten ein sehr erfreulicher Auftakt für uns, aber auch die Fische blieben über dem "11er-Schnitt".


Dann das Strategiespiel. Manfred, der es erst einskommafünf Male gespielt hatte, blieb hier erwartungsgemäß komplett auf der Strecke. Dave hatte es diesmal mit einer fischigen Gegnerin zu tun, und schubste sie auf Platz 3, wurde selber 2. Kirsten wurde leider knapp letzte, Rainer ebefalls zweiter und ich gewann mein Spiel zwar klar, vertauschte aber leider durch einen Denkfehler im letzten Zug noch einmal unnötigerweise als so genannter "Königsmacher" die Plätze 2 und 3 am Tisch. Für die Dia Rdinner nun also 12 Punkte, was in der Summe 26 ergibt, wir lagen gut im Rennen, bei gutem Turnierverlauf sogar mit Optionen nach oben. Die Fische schwammen bei ihrem Erstlingsturnier im respektablen Mittelfeld.


"Caylus" war im übrigen vom Veranstalter mit 2h Dauer angesetzt, sollte von 11-13 Uhr gehen und danach war eine Stunde Mittagspause von 13-14 Uhr angesetzt. Ich sollte die dank eines langsameren Tisches schon nicht wirklich erhalten, die drei anderen brachten mir netterweise einen Döner (mit schaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarf) mit, den ich in 10 Minuten Pause vermümmelte, an einem anderen Tisch allerdings sollte die Partie am Ende etwa 4 Stunden dauern - die ersten Partien des Nachfolgespiels waren vor diesem Spiel und somit bevor einige überhaupt angefangen hatten beendet.


Einer der Betroffenen war Dave, der beim Umsehen entdeckte, dass Kirsten, Rainer und ich allesamt fast identische, von uns als angenehm angesehene Eröffnungen spielten (wofür es auch den Kartensitz braucht), letztlich aber mit unterschiedlichen Erfolg: ich wurde knapp zweiter (es war am Ende ein "Kartenwettziehen" zwischen mir und der Siegerin), Rainer zweieinhalbter (punktgleich), Kirsten leider nur vierte. Dave selbst wandelte den Frust über den späten Spielstart in konstruktive Energie um und gewonnste sein Spiel. Drittes Spiel, drittes Mal über dem Schnitt. Erwähnenswert noch, dass Marcel ein Experte für dieses Spiel ist, es "sein Spiel" ist, der es immer gewonnen hat. Naja, bis auf dieses eine Spiel, in dem er nur deswegen vierter wurde, weil der fünfte Platz nicht vorgesehen war. So kann das kommen. Aber wir Dia Rdinner kennen das vom letzten Jahr von "Finstere Flure" - "unser" Spiel, wie wir es nie nannten, führte zu einer geschlossenen Leistung von einem sechzehnten Platz.


Mit einer sehr guten letzten Runde wäre vielleicht, aber an sich nicht wirklich, ein Platz unter den ersten zweien und damit bei der "echten DM" drin gewesen - inklusive der Zusendung bislang unveröffentlicher Spiele zum Training.


Aber so sollte es dann doch nicht kommen, obwohl ein klassisches Kartenspiel mit Stichen uns an sich - man verzeihe das Wortspiel - in die Karten spielte. Rainer wurde mit theoretisch gutem Ergebnis an seinem Tisch knapp aber eben doch vierter, Dave, Kirsten und ich geschlossen zweite, wenn auch unterschiedlich (ich musste mich nach einem frühen Risikospiel herankämpfen und wurde erst in der letzten Runde wieder vom vierten Platz entlassen, Dave war hinter einem "Runaway-Leader" souverän zweiter und musste es nur noch schaffen mit, in Skatsprache, den beiden schwarzen Buben und zwei Fehl-Luschen genau zwei Stiche zu machen, was locker lief, Kirsten wurde einfach so zweite, wie man zweite wird. Leider blieben wir also erstmalig "unter dem Schnitt". Erwähnenswert in dieser Runde ist zum einen, dass eine Fischin ihren dritten Sieg schaffte (nur im Caylus wurde sie hinter Dave gerade mal dritte), was zum geteilten ersten Platz in der Einzelwertung reichte, und dass die allerletzte Partie, die noch lief, über die Verteilung der beiden Finalplätze entscheiden sollte.


Sollte der Vertreter der Mannschaft "Steinburger Pöppelfresser" letzter werden, so wären diese und "Die Pfeffersäcke" genau punktgleich auf Platz 2, nach Feinwertung allerdings wären die Pfeffersäcke qualifiziert. Sollte er jedoch eine bessere Platzierung erhalten, so wären die Pöppelfresser durch. Und hier kam mein Caylus ins Spiel. Der Profiteur meines Fehlers war ein Pöppelfresser, der benachteiligte ein Pfeffersack. Mit anderen Worten: sollte der Pöppelfresser zweiter oder dritter werden, so hatte mein Spielzug die Teilnahme entschieden, was ärgerlich ist, wenngleich irgendwo passieren kann. Wenn er vierter wird, sind die Pöppelfresser eh raus, würde er erster, so hätte ein anderes Ergebnis bei Caylus den Pfeffersäcken auch nichts mehr genutzt. Letztlich wurde er zum Glück vierter.


In der Abschlusswertung dann wurde mir, wie bislang in jedem Jahr, ein Punkt zu wenig gut geschrieben, sodass ich, wie in jedem Jahr, Protest eingelegt habe, und ich gehe davon aus, dass dem, wie in jedem Jahr bislang, auch stattgegeben wird. Aber wenn nicht, auch wumpe.


Wir wurden mit (korrigierten) 47,5 Punkten fünfte, Mighty Manfred and his Minions mit einem Volltreffer auf dem Schnitt (je vier erste, zweite, dritte und vierte Plätze) wurden achte. Dabei wurde Fischine Alexandra, wie erwähnt, geteilte erste. Von den Diagonalen war ich mit 14 Punkten vor Dave (12) Rainer (11,5), Marcel (11) und Kirsten (10). Manni himself kam unter dem Tarnnamen "Marvin Dörr" auf für die Umstände sehr beachtliche 9 Punkte.

Mal sehen, ob und wie das nächstes Jahr wird.