Runde zwei führte uns zu den Jungs vom SV Eidelstedt, wie immer in deren Vereinskneipe mit dem abgetrennten Nebenzimmer, den Kegelbahnen, der Schießanlage und der Budohalle. Es regnete. Es kam ziemlich feucht runter. Schon den ganzen Tag. Also, es regnete. Naja, unwesentlich.


Wesentlich war folgendes: Wir spielten gegen eine Mannschaft, geleitet von Brett 1 Detlev Frank, die uns in etwa so deutlich DWZ-nominell unterlegen war, wie wir in der ersten Runde, vielleicht etwas mehr, dafür hatten sie an zwei Brettern Jugendliche, deren Zahlen immer mit viel Vorsicht zu genießen sind. Im gleichen Raum fand sonst noch die Begegnung SVE IV-Kelleraltona II statt, der ASK hat Nachwuchs. Soll heißen: neue Spieler. Die Figuren waren aus gutem Holz, die Bretter waren aus gutem Holz. Im Nebenraum fand die Jahreshauptversammlung der Kegelabteilung des SVE statt. Deutlich mehr Leute anwesend als zum Beispiel bei unseren Versammlungen, das sollte noch relevant werden.


Um 19:03 ließ Detlev Frank die Uhren anwerfen und die zwei Partien des Abends begannen. Diagonale war nur zu sechst, SVE nur zu viert. Nun, beide stockten im Laufe des Abends noch auf 8 Spieler auf, sodass ein regulärer Mannschaftskampf zustande kam. Nebenan wurde emotional über eine Beitragserhöhung debattiert, eine an sich ganz sympathisch wirkende Kellnerin kam herein und fragte in bester Fischmarktartikulation nach dem Besteller einer Apfelschorle. An unseren Brettern tat sich nicht viel, SVE IV lag gegen Altona II inzwischen 1,5:3,5 zurück, da bot mir mein Gegner auf einmal Remis. Der Mannschaftsführer zwang mich mit unmenschlichen Drohungen zum Weiterspiel, allerdings hätte ich das eh getan, stand ich doch inzwischen einiges aktiver. Gerd und sein Gegner spielten derweil an Brett 8 ein etwas wirr scheinendes hin- und her von Figuren, bei dem ich permanent dachte, es müsse irgendwas gehen, aber es kam vorerst nichts.


}

Die vorderen Bretter plauschten mehr als am Brett zu sitzen.


Die Nummern 5-8 hingegen konzentrierten sich.


Nebenan wurde inzwischen eine Mitgliederzunahme der Kegelabteilung mit einem dreifachen "Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ!" begangen, gefolgt von einem kleinen Feigling "pochpochpochpochpoch WEG". Bei uns stand Matthias unklar, Martin scheinbar passiv, Dave in einem von Schwarz ohne jede Initiative behandelten Spanier einfach druckvoll, ich einen Hauch aktiver, dito Andrei (der einen aktiven Springer gegen einen passiven Läufer mit Blick auf Endspielvorteile abtauschte). Finki hatte einen rückständigen Bauern auf der halboffenen B-Linie, Andreas stand verhältnismäßig czepulis. Gertrude Czerwionka wurde vierte beim Pfingstkegeln der W55. Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!


Bei uns hatte sich inzwischen Gerds Stellung einigermaßen geöffnet, er hatte einen Bauern weniger, alles wird also gut. Was macht sein Gegner eigentlich, wenn er Tee2 spielt? Ah, aufgeben wird er, fein. 1:0 um 20:58. Das "Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!" im Nebenraum galt zwar Franz-Erwin von der Wüsteheide, der beim Sommerturnier vier Kränze in Folge kegelte, konnte aber auch für Gerd als Gratulation genommen werden. 1:0 um 20:58h.


Andreas (gegen einen der Jugendlichen) entschied sich zu einem friedfertigeren Ansatz als sonst, und auch Martin machte wegen seiner Passivität kurze Zeit später Remis, wäre aber nach erster Analyse wohl ohne Gegenwehr zu einer besseren Stellung gekommen.


Gestern noch im Casino, heute auf der Schachbühne: MF MB


Nebenan war man inzwischen bei den Vereinsmeisterschaften ("Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!"), Dave hatte nach einem unverständlichen Zug seines Gegners in einer eh schon klar besseren Stellung noch mal a tempo eine Qualle abholen dürfen und stand einfach nur blendend, ich hatte mich inzwischen bei einem Königsangriff für ein Turmopfer unklarer Korrektheit entschieden, das der Gegner allerdings ablehnte (späteres Gefritze hat ergeben, dass das Opfer in der Tat wohl korrekt war), sodass ich mit Mehrbauern in ein klar besseres Endspiel ablenken konnte, was mein Gegner sich nicht zeigen lassen wollte, sodass er berechtigt aber taktisch zu früh aufgab. Die Kegler hatten noch ein erfolgreiches Sommerfest (Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!), eine neue Kegelaufstellanlage (Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!) und eine Eheschließung im Verein (Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!), aber dann war die Sitzung leider vorbei.


Wir führten also 3:1. Matthias an Brett 1 hatte inzwischen einen Mehrbauern, Dave an 3 Qualle und nun auch einen Bauern und Angriff und Fesselungen und Gabeln und Spieße, Andrei an 5 einen in die gegnerische Stellung eingedrungenen Turm und L gegen S im Endspiel, Jens hatte einen Bauern gewonnen und drohte Generalabtausch ins Bauernendspiel, allerdings hätte sein Gegner ein paar Schachs einschieben können. Dennoch waren alle vier Stellungen gewonnen, und ein Debakel für die Gastgeber drohte.


Doch dann zeigten wir, dass wir den Begriff "Gastgeschenk" wohl kennen. Andrei ließ scheinbar ein wenig die Zügel schleifen und wirkte nicht wirklich vorwärtskommend,


Andrei hatte später die bessere Zeit.


Finki hatte zu viel Angst vor Schachs und Dauerschachs oder mehr seines Gegners und verzichtete (nach Fritzalyse suboptimalerweise) auf den Generalabtausch,


Jens nach Bauerngewinn und ohne Generalabtausch.


Matthias stellte seinen Mehrbauern aufgrund eines fatamorganensen Figurengewinns einfach wieder weg,


Matthias, neu mit 20% weniger Landwirt.


und Dave gewann Aktion um Aktion, stand immer bessererer, bis auf einmal die Figuren seines Gegners aufgrund sich zufällig so ergebender Verteidigungszüge ein einzügiges Matt drohten. Und Dave beklagte ja schon öfter, dass er nach 3 Stunden nichts mehr tauge, inzwischen waren knapp 4 um, und SVE schoss den Anschlusstreffer zum 2:3. An den verbleibenden drei Brettern standen wir zu diesem Zeitpunkt zwar nirgends schlechter, aber die Endspielbehandlung, die die Zuseher beruhigt, fand auch nicht wirklich statt. Fehlte etwa die lockere Kegelathmosphäre? Hätten wir im Nebenraum einfach mal "Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!" einstreuen sollen?


Jens ließ sich nun im Endspiel trotz des Mehrbauern auf ein Remis ein, was in mehrerlei Hinsicht in Ordnung ging - ohne den Tausch würde der Gewinn sehr schwer, und wir stotterten uns gen Ziellinie. Doch dann kam ein mentales "Gut HOLZ! Gut HOLZ! Gut HOLZ! Pochpochpochpochpoch WEG!" oder vergleichbares: Matthias gewann wieder einen Bauern, Andrei wurde wieder aktiv in der Gegnerischen Stellung und tat es ihm nach. Letztlich gab Matthias' Gegner einen Hauch früher auf, sodass ihm die Ehre gebührt, den Siegpunkt zum 4,5:2,5 einzufahren, Andrei erhöhte noch auf fünfeinhalb.


Also weiterhin ein sehr anständiger Saisonstart des Teams, ein Remis gegen ein klar besseres Team, ein letztlich doch standesgemäßer Sieg gegen ein DWZ-schlechteres. So kann es weitergehen.


Darauf ein dreifaches "Gut SCHACH! Gut SCHACH! Gut SCHACH! Prostprostprostprostprost LUNK!"

[Marten]