Langsam wird es Ernst im Projekt "Abstiegskampf" für die Agonale 1. Nur
noch ein Punkt vor dem letzten, zwar sind wir nominell zu stark, um
abzusteigen, aber ein Ausrutscher zum Beispiel diese Runde gegen die
DWZ-schwächste Mannschaft der Staffel (HSK XII), die aber vor uns
stehen, würde den Abstiegskampf sehr akut werden lassen.


Zu unserem Pech kam der HSK sehr ersatzgestärkt. Es fehlten einige
Spieler aus der Stammbesetzung, aber hinten wurde für Bezirksliga
ziemlich starkes geboten. Dennoch waren wir noch favorisiert, mal wieder
ohne echten Ersatzmann, aber der kurzfristig ausgefallene Conrad Cotaru
konnte aus der eigenen Reihe kompensiert werden, obendrein spielte
Kollege Feske sein zweites Spiel.


Und das Match begann mit einem negativen Paukenschlag. Freddy Feske wich
im Vorbeizugsfranzosen von seinen Standardvarianten ab, übersah gegen
Florian Lezynski (1913) ein Abzugsmotiv mit Damenangriff und hatte nach
30 Minuten bereits eine Figur und Stellun weniger. Ohne zu weit
vorweggreifen zu wollen, der Gegner spielte es solide runter, Michaels
Versuche eines Pseudoangriffs bewirkten wenig, und um 20:41h sollte
diese Partie zum 0:1 werden.


Zuvor allerdings spielten alle noch Schach. Wladimir Wasmuth an 1 (gegen
Sven Rettieck, 1939) erreichte schnell eine angenehme Stellung mit
vielen bunten weißen Felderschwächen, Benny Becker an 2 (gegen Lars
Hammann, 1619) spielte auf Aktivität, und auch wenn ein paar
kompliziertere Verteidigungen drin waren, sah seine Stellung zumindes
angenehm aus - eventuell ein Bauer weniger, das würde die Zukunft
zeigen. Harry Hernandez an 3 (gegen Mikhail Borchtchevski, 1735)
experimentierte mal wieder, wie schon die letzten Schwarzpartien, an
neuen Ideen im Franzosen herum, Herby Holst an 4 (gegen Klaus
Hadenfeldt, 1626) stand nach üblichen Eröffnungszügen klar aktiver und
verlockte Schwarz schon zu ersten Feldschwächungen.


Damit schien die obere Hälfte "ihre" Punkte machen zu können, aber außer
"irgendwie besser" war noch nicht viel konkret. Im unteren Paarquadrat
spielte Faramir Finkhäuser mit schwarz auch schnell eine schönere
Stellung zurecht, falls es zu einem Endspiel kommen sollte (gegen Rolf
Bollmann, 1615), Cay-Rolf Czepulis-Rastenis machte ähnliches mit weiß
(gegen Peter Finck, 1468), Freddy Feske hatte ich schon erwähnt, am Ende
stürmte Willy Wasmuth mit seinen Bauern gegen den Königsflügel von
Werner Müller (1795, Vater von Karsten Müller (2495)) an.


Kurz nach dem 0:1, oben angesprochen, remisierte Willy an 8 (mit allen 8
Bauern noch auf dem Felde), angesichts des Gegners und der Tatsache der
anderen Stellungen durchaus vertretbar. Denn inzwischen konnte Sohn
Wladimir an 1 einen gesunden Mehrbauern malen, Benny an 2 sogar eine
Qualle. Harry an 3 stand allerdings inzwischen unschön, ein Bauer und
ein Druck weniger, kompensiert allerdings vielleicht davon, dass bei
Herby der Königsflügelsturm des weißen zum einen fortgeschrittener, zum
zweiten königsnäher und zum dritten auch mit koordinierten Figuren
ausgestatteter war als der Damenflügelvormarsch des Schwarzen. Diese
Partie sollte auch als nächstes beendet werden, nach einem Bauerngewinn
(bei dem der Gegner vielleicht lieber die Qualität hätte geben sollen)
kam ein zweiter mit Angriff zweier Schwerfiguren über die offene h-Linie
in die schwarze Rochade. 1,5:1,5. Und auch Benny holte kurze Zeit später
eine zweite Qualität und erzielte die Führung. Leider konnten Faramir
(der wohl einen Bauerngewinn ausließ) und Cay-Rolf (der sich lange gegen
das Remis wehrte) ihre Vorteile nicht ummünzen, 3½:2½ stand es somit.


Ein Mannschaftspunkt war sicher, denn Wladimir konnte (mit
zwischenzeitlich einem zweiten Mehrbauern, der aber mehr vorübergehend
war, sowie je einem ungleichfarbigen Läuferpaar auf beiden Seiten) kaum
noch verlieren. Aber würde er vielleicht gewinnen können? Oder Harry
seine Stellung verteidigen? Nach letzterem sah es nicht aus, aber Harry
kämpfte zäh, auch angestachelt durch einen Gegner, der seine
Mitschreibpflicht nicht begriff, obwohl auch von den
Mannschaftskameraden hingewiesen (sein Rational war, dass Harry
Hernandez auch nicht mitschrieb - der hatte jedoch nur noch eine Minute
statt derer 30, wie Borchtchevski). Eines der beiden Ereignisse würde
zum Sieg reichen. Und es trat ein - Wladimir schaffte seinen Durchbruch.
Harry kämpfte etwas erzürnt zwar noch weiter, aber vor die Wahl
gestellt, ob zweizügig Matt oder Damentausch (mit dann 1 Bauern gegen
Läufer und 5 Bauern, einer davon auf h7 einen Zug vor der Umwandlung)
wurde der Kampf dann um 23:33h mit 4½:3½ beendet.


Letztlich zwei wichtige Punkte gegen den Abstieg, und wenn es nicht ganz
dumm läuft, sollte das schon reichen können, ein, zwei weitere Punkte
sind aber noch machbar. Dennoch ist das Ergebnis natürlich für die DWZ
zu niedrig ausgefallen (Unsere Gegner hatten im Schnitt gerade mal 1714,
die einzigen, der keinen grob 200 schlechter eingestuften Gegner hatte,
waren Willy und Freddy), was zwar zweitrangig ist, aber die nicht so tolle Form der Mannschaft doch andeutet. Vielleicht sollten wir einfach mal aus Laune Union schlagen, das wäre doch mal ein Ausgleich.

[Marten]