Man stelle sich folgende Zeilen als von Gerd Rubenbauer gesprochen vor)


Guten Abend meine Damen und Herren,
ich begrüße sie herzlich zum heutigen Spieltag, an dem die abstiegsgefährdeten Diagonale-Amateure zu den aufstiegsambitionierten Barmbek-IVern nach Hamburg reisen müssen um wichtige Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Das wird nicht leicht, sag‘ ich ihnen, denn die Diagonaler sind stark ersatzgeschwächt, es fehlt der bisherige Top-Scorer Manfred, der aufgrund eines geschäftlichen Termins nicht mit nach Hamburg anreisen konnte, genauso wie der Mannschaftskapitän Rainer J., der nach Bonn musste und die Kapitänsbinde an Detlev, der trotz einer Verletzung am Fuß auflaufen wird. Desweiteren ist Alexander Zacharias verhindert, ebenso der Vogler-Rainer, das heißt, dass die Diagonaler ohne ihre Standard-Bretter 2,3,5 und 6 spielen. Doch der Kapitän konnte für Ersatz sorgen, sodass wir folgende, höchst interessante Mannschaftsaufstellung haben: Die Spieler der Diagonale werden in zwei Viererketten spielen, in der Sturmreihe links außen an Brett eins Marcel Heymuth, der Youngstar, der endlich mal wieder punkten möchte. Die beiden in den Mittelsturm aufgerückten Spieler Rainer Laugwitz, der auch als Lothar Matthäus des Schachs bekannt ist und an seiner rechten Seite mit Fußproblemen der Kapitän Detlev. An ganz ungewohnter Position spielt Andreas, normalerweise Innenverteidiger, als Rechtsaußen. Die Viererkette in der Abwehr besteht aus den Außenverteidigern Jürgen und Achim, in der Innenverteidigung wollen Thomas und Joachim Hemminghaus, der in dieser Partie seit langer Pause sein Comeback gibt. Dort kommt der Schiedsrichter, der vor Anpfiff noch eine Erhöhung der Getränkepreise ankündigt, die Spieler beider Mannschaften klatschen sich ab und los geht’s, das mit Spannung erwartete Match ist eröffnet!


In der Anfangsphase ist deutlich zu sehen, dass die Diagonaler sich trotz der vielen Ersatzspieler bemühen, ein wenig mehr Ballkontrolle haben sie. An Brett 1 scheint der Youngstar Marcel seinen Gegner mit einer komischen Eröffnung (1. e4 c5 2. b3 ) kalt erwischt zu haben, der Gegner fühlt sich nicht wohl und überlegt sehr lange. Der immense Erfahrungsvorsprung scheint auch Rainer Laugwitz eine leicht vorteilhafte Stellung zu bescheren, interessanterweise mit vielen Figuren auf dem Brett. Der Mannschaftskapitän eroberte einen Bauern und lehnte danach berechtigterweise ein Remisangebot ab, das nennt man Kampfgeist, meine Damen und Herren. An Brett 4 gibt’s auch noch nicht viel zu sehen, Vorsichtigkeit bestimmt die Partie. Ebenso Brett 5, an dem Jürgen zwar aktiver, aber nicht zwingend stand. Was sehe ich da an Brett 6? Joachim Hemminghaus spielt ein super Spiel an seinem Comeback, ein starker Königsangriff, der in einem Turmgewinn endet, doch der Gegner gibt nicht auf. Thomas an Brett 7 gerät ein wenig unter Druck, sein König muss ein wenig auf Wanderschaft gehen. Der Präsident an Brett 8 steht ein bisschen passiv. Zurück zur spannendsten Partie bisher, Brett 6. Joachim Hemminghaus macht weiter Druck, das sieht sehr stark aus, Steilpass in den Lauf seines Turmes und TOOOOOOOOOOOOR!!!!!
Joachim Hemminghaus bringt die Diagonale II in Führung! Damit hätte keiner gerechnet.

Doch was tun die anderen Spieler? Ich höre gerade, an Brett 4 ist auch eine Entscheidung gefallen! Elfmeter für Diagonale II! Handspiel im Strafraum! Dort liegt der Ball auf dem Punkt. Andreas Köster wird schießen. Er läuft an und….TOOOOOOOOOR! 2-0 für die Diagonale, unhaltbar, rechts oben in den Winkel! Wunderbar, so schießt man Elfmeter!!!

Bahnt sich etwa eine Sensation an? Keiner hat auf eine frühe Führung der Diagonaler gewettet. Mal sehen, ob sie aus diesem Vorteil Kapital schlagen können. Aber nun gehen die Spieler in die Halbzeitpause, die Ansprache des Mannschaftskapitäns ist sehr positiv, der gegnerische Trainer wirkt seltsam verwirrt. Trotzdem hält auch er eine Ansprache, die sich gewaschen zu haben scheint. Der Schiedsrichter ruft die Spieler aufs Feld und pfeift die zweite Halbzeit an. Was ist da los? Die Barmbeker scheinen wie verwandelt, Traumkombinationen und sicheres Passspiel. Ein Pass in die Abwehr und ein Fernschuss … TOOOOOR!!! Unglaublich! Was für ein Tor, unhaltbar für Torwart Achim an Brett 8. Doch das Spiel geht weiter, und schon wieder stürmen sie aufs Tor, Doppelpass und TOOOOOOOOOR!! Was für ein Hammer! Das ist der Ausgleich! Dieser Schuss war für Thomas unhaltbar, keine Vorwüfe an den Torwart, den konnte er nicht halten. War dies die Wende im Spiel? Jetzt folgt hier Schlag auf Schlag!

Ein Unentschieden an Brett 5, Jürgen konnte seine Stürmer nicht genügend aktivieren. Und noch ein Tor, höre ich! Brett 3, was ist passiert? Oh, das sieht nicht gut aus, das für den Gegner stürmende Bruderpaar Turm ist in den diagonaler Strafraum eingedrungen und konnte den Torwart umspielen und den Ball ins leere Tor spielen. 3,5-2,5 für Barmbek, ist das die Vorentscheidung? Der Youngstar fühlt sich weiterhin sichtlich wohl, der Gegner braucht immer noch viel Zeit. Noch eine Entscheidung! Remis an Brett 2, das heißt 4-3 für Barmbek. Welch ungeheure Verantwortung jetzt auf den Schultern des 19-Jährigen lastet. Das ist geradezu unmenschlich.

Wir befinden uns bereits in der Nachspielzeit, wird es eine Verlängerung geben? Ja! 40 Züge sind vom Gegner in letzter Sekunde zu Ende gebracht worden, es geht also in die Verlängerung. Durch viele Platzverweise sind beide Mannschaften der Spieler stark dezimiert worden, jedoch befindet sich der junge Diagonaler mit einem Spieler namens Bauer mehr auf dem Feld, dieser hat noch einen Freund an seiner Seite und einen Turm , ebenso wie der Gegner. Konzentriert sitzt er da und überlegt, genau wie der Gegner, der sich schon wieder in Zeitnot befindet. Marcel schneidet den König von den Bauern ab und greift sie selbst an und da wird wieder einer vom Platz gestellt! Tätlichkeit gegen den weißen König! Nun sind sie zwei Mann mehr auf dem Platz, das muss doch reichen! Da hat H.Bauer den Ball, welch kluger Schachzug, und er läuft in Richtung Grundlinie, immernoch hat er den Ball, niemand kann ihn aufhalten? Wird er ihn verwandeln? Jaaaaaaa! Er verwandelt ihn! In eine Dame!!!! Das muss die Entscheidung sein. Der Abwehrspieler A. Turm springt zur Seite und das ist die Entscheidung!!! In der 296 Minute gibt der Gegner auf! Das ist doch nicht die Möglichkeit! Das 4-4 in letzter Sekunde! Das war wirklich eine großartige Mannschaftsleistung, die nicht hoch genug zu würdigen ist! In überschwenglicher Freude liegen sich die Diagonale-Spieler sich in den Armen und strahlen vor Freude! Mit diesen Bildern gebe ich zurück in die Funkhäuser!


Ihr Gerd Rubenbauer (Marcel)