Es war an einem Donnerstag, dem letzten im August, die Heizung war schon ausgestellt als hätte sie's gewusst...


Ne, komplett falsch. Immerhin Donnerstag, und auch Heizung aus. Letzteres war ganz okay, weil es draußen mehr als warm genug war, ersteres auch, weil wir ja fast immer die Donnerstage verschachen (ohne "r"). Nun also der letzte Heimkampf der Saison, unser Gegner war St.Pauli IV, es ging praktisch um nichts mehr (theoretisch brauchten wir vielleicht noch ein Pünckchtli für den Klassenerhalt, so genau haben wir die Querpaarungen nicht analysiert), St.Pauli brauchte nur nicht hoch zu verlieren, um im letzten Spiel gegen den HSK in Sachen Klassenerhalt alles im Griff zu haben. Gute Schriftsteller arbeiten ja gerne mit Vorandeutungen, um den geneigten Leser damit in die Irre zu führen, der dann ganz anderes erwartet, als dann kommt. Es kam an dem Abend zum Beispiel keine Kolikenpolka, obwohl die Wilstorfer Domspatzen angetreten waren, aber heute mal mit anderem Programm.


Apropos "dann kommt": was dann nicht kam waren zunächst drei Diagonalinskis (bzw. vier). Neben den ordnungsgemäß abgemeldeten Wasmuthsenior, Cotaru und mal wieder dem Feske spielte inbesondere der Dave an Drei, der so genannte Dreier-Dave, mit Feuerzeug und Augenlicht und entzündete seine Bindehaut. MFMB hatte jedoch adäquaten Ersatz aufgefahren in Form der Herren Heymuthjunior, Vogler und Menges. Letzterer war dann als Materialwart auch der Ersatzschlüssel für den ja frisch entflammten Schachwart und für den Schrank. Leider jedoch hakte es erst etwas in der Zeitplanung und, wie das dann so ist, mit dem ÖPNV, sodass er doch ein weniges zu spät kam und erst gegen 19:08h überhaupt angefangen werden konnte. Nachdem der Aufbau dann abgeschlossen war müsste die Fehlzeit leider zu Lasten der Gastgeber gehen.


Immerhin gab uns diese Verzögerung die Gelegenheit, den anwesenden Zuschauern einiges zu erklären - ein Pärchen, das Gottweißwoher wusste, dass hier heute ein Match stattfinden sollte und als blutige Schachlaien (die sie wirklich waren) mal sehen wollten, wie so echt gespielt wird - und auch ein paar Fragen hatten, die leider ohne Brett nicht beantwortbar waren und das Abstraktionsvermögen reichte leider nicht.


Wie dem auch sei, erst kam der Detlef, wir schrankten das Schloss auf (erste Ideen, es zuvor aufzubrechen, wurden als bescheuert abgelehnt), wir bauten die Bretter auf, wir fingen leeeeeeeicht verspätet an und an einem feinen warmen lauen Sommerabend war der Weg für feines warmes laues Sommerschach bereitet. Remisen waren ja angesichts der unwesentlichen Gesamtsituation freigegeben durch den Mannschaftsführer. Wohl nicht komplett ohne Eigennutz, denn der MFMB war wohl der motivierteste von allen, und einigte sich mit seinem Funktionsvetter (auch MF) relativ zügig auf fröhlich geteilte Punkte. Auch der Jens, der Fink, er spielte einen französischen Abtausch und bereits nach wenigen Zügen kehrte die Lustlosigkeit ein (bei mir wäre das ja schon nach exd5 der Fall gewesen, darum spiele ich das ja mit weiß wie mit schwarz anders...). Die anderen 6 Bretter setzten sich aber erst einmal hin, oder zumindest die Spieler an den Brettern, oder genauer gesagt saßen sie ja schon.


Einige Züge je Brett weiter zeigte sich friedvolles Spiel, lediglich Detlef offerierte einen Bauern für eine druckvolle F-Linie. Der Gegner akzeptierte die Offerte. Ich selber stand eher bedrückend bedrückt, ein rückständiger c-Bauer sollte bloß nicht die Linie halbgeöffnet bekommen. Matthias war wie immer unsere große Hoffnung auf den ganzen Punkt. Doch ich verspreche zu viel - der Höhepunkt des Abends war sicherlich als um kurz nach 9 die Sicherung der halben Deckenbeleuchtung rausflog und nicht wieder reindrückbar (bzw. umschaltbar) war. Angesichts des Außenlichts und der anderen Hälfte der Beleuchtung nur ein begrenztes Problem, aber die andere Hälfte weg wäre irgendwie netter gewesen, war da doch eine knatternde Röhre, aber Leben ist kein Wunschkonzert und Schachmannschaftskampf erst recht nicht. Aber Schachmannschaftskampf war auch wenig spannend, Andreas und Matthias einigten sich mit ihren jeweiligen Gegnern auch auf Remis bevor viel weiteres passiert war, sodass es 2:2 stand, und ich wollte mit inzwischen arg passiver Stellung das Gebot meines Gegners auch nicht ausschlagen. Und nun kippte die Stimmung, zu dritt nach lauter Kurz- bis Mittelkurzremisen weiterzuspielen, das Wetter war schön, die Partien wurden langsam so, dass man anfangen musste, wirklich zu denken und zu überlegen, obwiewannwas man was tun will. Bei Rainer und Marcel war nun gar nichts offenkundiges als Spielidee, das bislang schon drömelige Spiel ließ wenig konstruktives, und statt die Brechstange rauszuholen, kam auch hier, was kommen musste. Blieb Detlef und sein Angriff für den Wenigerbauern. Und alles würde so enden wie diese Partie. Für beide Seiten ein heißes Pflaster und die Teamkameraden waren moralisch auch nicht hilfreich, in der Sonne sitzend und Bier konsumierend. Nun, wahrscheinlich war die Stellung keinen Bauern wert, aber wer will nun alles riskieren, wenn die Belohnung so minimal ist - beide Mannschaften hatten ihr Ziel für diesen Kampf praktisch erreicht. Also wurde es ein 4:4.


Die Zuschauer zeigten sich allerdings trotz des lauen Sommerschachs beeindruckt, dass Schach sooooo lange dauern kann, sie hatten mit jeder gegen jeden gerechnet und waren erstaunt, wie lange wir ruhig da saßen. Die Sängerknaben hingegen waren eher erstaunt, dass wir schon um kurz nach 22h die Tische zusammenstellten und gingen. Vielleicht hatten sie noch eine Kolikenpolka im Repertoire, die sie zum Besten geben wollten?