Von St.Pauli nach Feldstraße ist es nur eine Station.


So zumindest gab der Geofox Dave bei der Planung mit. Naja, man merkt
schon, dass es etwas anders sein sollte, wenn zum Saisonstart zum ersten
Mal seit Jahren wieder ein Auswärtstrip nach Pinneberg ansteht. Und
offensichtlich gibt es auch in Pinneberg ein Feld und damit eine
Feldstraße. Die fand sich zwar nicht in Andreas' 20 Jahre altem
Stadtplan, aber Kolonnenfahrprofis Andreas und Martin (letzterer mit
Navi im Luxusschlitten) verloren sich auf dem Weg auch nur 11 Mal aus
den Augen.


Pinneberg spielt ebenso wie wir in einem Gemeindehaus, und wenn ich mich
nicht recht täusche, war es letztes Mal, als wir dort rüberauswärtsten,
noch ein anderes solches. Aber das Haus erfüllt seinen Zweck, es fehlt
vielleicht der Nebenraum, aber für das Spiel haben wir schon manch
schlechteres Lokal erlebt.


Zur Partie selber: Staffelsetzlistenfünfter Diagonale Harburg trat in
der DWZ-gereihten Bestbesetzung an, unseren Gastgebern fehlte Brett 4,
der in der ersten Mannschaft ausgeholfen hatte (was ja ab Landeslüga
aufwärts zu einer Sperre in niederen Klassen in der entsprechenden Runde
führt), dennoch waren Sie als Staffeldwzbeste natürlich klarer Favorit
(40 Vorsprung, 4:4 nach besseren Brettern).


Das erste Thema des Abends war ein klassisches Gambitthema, wenngleich
wohl nicht immer so angelegt, nämlich "Bauer gegen Initiative".
Beispielhaft mein reichlich freistilmisshandelter Holländer, der
allerdings glücklich war, dass er überhaupt einen Bauern abwarf gegen
die gegnerische Initiative. Aber auch bei Matthias an 1 war der
Mehrbauer eher fraglich in seiner Werthaltigkeit, hatte der Gegner doch
eine halboffene b-Linie gegen einen rückständigen b-Bauern mit
Felderschwäche auf b3 (kleiner Tipp: um genau solche Szenarien
abzuwenden, spielen erfahrene Spieler gerne früh in der Partie den Zug
b2-b3). Der Fink, der Jens, er hatte auch einen Bauern mehr und stand
nicht so toll (bis die Dame von f5 nach e6 kam), aber hier mag ich die
Reihenfolge nicht beschwören. Wie auch bei den anderen Partien habe ich
nicht all zu viel mitbekommen, da ich so viel Zeit an meinem eigenen
Brett verbrachte, wie schon seit Jahren nicht mehr. Ob hochkonzentriert
oder todmüde, da gehen die Beobachtermeinungen auseinander. Dennoch sei
noch erwähnt, dass Andreas' und Andreis Stellungen auch mit Betrachtung
nie zu verstehen waren und Dave auch ohne Bauernmehr irgendwie reichlich
unschön stand. Florian hingegen hatte in seinem Debut nach
Beginnschwierigkeiten eine starke Diagonale (so soll es sein!) b1-h7
sowie die offene c-Linie auf seiner Seite, während der Gegner Gerät
gegen f2 heranfuhr. Irgendwie schien es mir vom Nebenbrett auszusehen,
als ob hier längere Zeit eine Qualle geopfert aber nicht genommen wurde,
aber hier will ich nichts beschwören, dazu bekam ich zu wenig mit.


In den letztjährigen Berichten kam an ungefähr dieser Stelle des
Spannungsbogens bereits der Bericht über die erste beendete Partie. Das
fällt heute allerdings aus, weil diesen Kampf insbesondere eines
auszeichnete, nämlich dass sich lange nichts entschied, obwohl einiges
passierte. Der Gegner unseres wegen Unfähigkeit an Brett 5
strafversetzten Mannschaftsführers sorgte als erstes für wirkliche
Gleichgewichtsveränderungen durch Opfer einer Figur in die
Königsstellung, aber dafür Dame und Turm auf h gegen die kurze Röchelei.
Es war zwar nicht ganz klar, in welche Richtung das Gleichgewicht kippte
(erster Verdacht: gen uns), aber es kippte zumindest schon Mal. Jens'
Mehrbauer schien inzwischen solidifiziert, meine Stellung brach mehr und
mehr weg. Mit Martins Stellung optimistisch angerechnet, schien hier so
3½:4½, vielleicht 4:4, wenn Jens gewänne sogar ein 4½:3½ realistisch zu
sein. Aber letzteres konnten wir uns bald darauf abschminken. Jens hatte
die Gelegenheit zusätzlich zu seinem Mehrbauern noch einen Angriff zu
bekommen, nutzte sie, er schlug nicht durch, und so wurde es leider doch
remis. Hier wäre nach Finkhäuserschen Angaben doch weniger mehr gewesen
und solides Spiel auf den Mehrbauern Mittel der Wahl. Nach knapp 3
Stunden war also die Torflaute zu Ende und beide Seiten schossen ihr
erstes halbes Törchen. Matthias brachte seinen Gegner dann aber auch
dazu, trotz aktiverer Stellung den entscheidenden Hebel nicht zu finden,
und konnte so das 1:1 aus zwei Partien sicherstellen, die uns insgesamt
im Plan beließen. Ich hatte zwar inzwischen meine Entwicklung
abschließen und einen weiteren Bauern des Gegners unter Beschuss nehmen
können, er beschoss dafür gewaltig meinen König, und spätestens h6 (nach
vorher f5 und bei 0-0) war ein prinzipielles Zugeständnis, das schmerzte.


Ein knappes Stündel später kam dann die dritte entschiedene Partie, in
gewisser Hinsicht aber auch die erste entschiedene. Florian brachte bei
ausgeglichenem Material Dame und Turm in der gegnerischen Stellung
unter, und irgendwann macht sowas dem Verteidiger meist keinen Spaß
mehr, so auch heute. Kaum war er zum Analysieren raus, gewann auch
prompt Andreas, ich habe keinen Schimmer, wie oder warum, er stand immer
"wird er schon machen", aber was da genau los war, ich weiß es nicht.
Und weil ja aller guten Dinge drei sind, beendete Dave eine
Viertelstunde später seine Partie ebenfalls siegreich. Zunächst konnte
er sich befreien, dann auf einmal angreifen, und er hatte mit S und D am
gegnerischen König ein sicheres Dauerschach, wie es schien. Ob der
Gegner jetzt nicht wollte, weil Martins Mehrfigur immer klarer schien,
wenngleich gegen zwei Rülpser, oder doch mehr drin war, ich habe es mal
wieder verpasst, da ich inzwischen selber versuchte, Gegeninitiative zu
bekommen. Einen der beiden Mehrbauern zurück aber die Figuren nochmal
besser platziert, jetzt nur nicht gegen S und D (hi Dave) mattgehen.


Beim Stand von 4:1 wird dem Leser klar sein, dass wir nicht mehr
verlieren würden, und so kam es auch. Martin bot mit Mehrfigur remis,
was der Gegner nicht ablehnen konnte. Daraufhin einigten sich auch
Andrei und sein Gegner, wegen Match entschieden, und es stand 5:2. Ich
bewies in einer gespreizten Stellung ohne allerdings trivial
offensichtliche Zuschläge für meinen Gegner zum Abschluss noch ein wenig
Alleinunterhaltertalent, in inzwischen Zeitdruck (5 min für 10 Züge)
leistete ich mir einige humoristische Fehlberechnungen. Ich opferte
einen Turm, um nach Ausführung festzustellen, dass die geplante Falle an
einem Zwischenschach zerbricht. Aber noch später zu merken, dass ein
Damenopfer die Partie dann mehr als gerettet hätte und mein Blindzug
zufällig doch korrekt war. Oder später das Angebot eines Laugwitz (mit
bei Ablehnung gewinn des gegnerischen Springers) im 40.Zug (der
erzwungene *Ping* mit Schach wäre im Remissinne wohl klarer gewesen),
bei dem ich als wohl einziger das Schach, das alles zerstörte nicht sah,
nicht mal als Motiv. War auch egal, ging letztlich doch nicht (wobei ich
die Partie noch nicht gefritzt habe, der sie mir und speziell meinem
Gegner eh um die Ohren hauen dürfte, wie viele Verlustwege ich auslassen
musste, weil Weiß nicht kooperierte). Langer Rede kurzer Sinn: nach
langer Pause nahm mein Gegner um 23:25h das Remis an und das 5½:2½ war
hinter Schloss und Riegel.


Fazit: ein klarer Sieg ohne individuelle Niederlage auswärts beim
stärksten Team der Staffel - mehr kann man nicht erwarten. Jetzt müssen
nur noch die anderen Teams, die alle besser sind als wir, bezwungen
werden, und der Abstieg wird kein Thema mehr sein. Höchstens in der
nächsten Saison.

[Marten]