Projekt Klassenerhalt


Drei Runden Bezirksliga waren noch zu spielen, drei lange Runden, bevor wir ins verdiente Sommerloch torkeln können. Gegner diesmal die Jungs aus dem Nobelstadtteil an der Elbe. Zwei Teams mit jeweils einem Ersatzspieler von etwa vergleichbarer Spielstärke sollten hier aufeinanderprasseln. Aber während wir irgendwie noch oben drin sind, nur nicht so viele Brettpunkte haben, steht Blankenese wirklich in der nichtssagenden Mitte, zumindest diese Saison.


Außerdem muss der HSV dringend in die Champions League, diese Donnerstagsspiele stören massiv die Motivation beider Seiten - und sollten ein Remisgebotsfeuerwerk ergeben. Aber da das nicht viel bewirkte, erwähne ich es an dieser Stelle nicht. Das Match begann leicht verzögert, beide Seiten hatte Stauprobleme, sodass um 19:05h ein lockeres 4 gegen 4 angepfiffen wurde, aber auch das sollte sich noch ausgleichen und daher nicht erwähnt werden. Was man allerdings erwähnen kann ist, dass zum einen Florians Anfragen nach einem Schlüssel positiv beschieden wurden, sodass wir auf einmal das Fenster aufreißen konnten, zum anderen die Gewichtsbeobachterinnen uns nicht einschlossen, weil wir ja abschließen würden.


All das aber ist nur ein kleines Vorgeplänkel, und kaum war das vorbei, schaute man sich mal auf den Brettern um. An eins (Matthias), zwei (Dave) und drei (Florian) war nicht viel erkennbares los, ich an vier hatte meine Openform bewahrt, den vierten Zug vor dem zweiten gemacht und stand nach wenigen Zügen auf Acker, Martin stand an fünf auch nicht feierlich mit gesundem Wenigerbauern. Andrei an sechs sah ganz gut aus (Schlips!) aber seine Stellungen kommentiere ich mal wieder nicht. Die Analyse soll später ergeben haben, dass er ganz gut stand. Andreas an sieben hatte einfach einen Mehrbauern inklusive Mehrstellung und war weiter stramm auf Kurs 100%. Und Rainer an 8 hatte einen sehr tauschfreudigen Gegner, sodass zu diesem Zeitpunkt (nach 30 Minuten) in etwa TTBBBBB gegen TTBBBBB standen. Kurze Zeit später sollte er gegen den 300 Punkte schwächeren Gegner auch einen Bauern gewinnen, aber leider hatte er ein Pattmotiv übersehen und somit kippte der Bauer zurück, und bei TB gegen TB um gefühlte 19:10h (in der Tat war es aber etwa 20:30) stand es halbehalbe.


Noch kürzer später war klar, dass dieser Kampf eine enge Kiste werden würde, ich stand immer verfurchter auf dem Acker, bis qualvolles Wenigermaterial entstand, Andreas spielte zu optimistisch weiter und hatte auf einmal Wenigerfigur und -bauern, Florian und Matthias kamen wie schon gegen Marmstorf auch nicht erkennbar in die Hufe (kann aber auch am Erkenner liegen), und Dave, Andrei und Martin mussten langsam auch in das Remis einlenken. Was genau passiert war, konnte ich nicht so mitbekommen, obwohl mein Gegner zugegebener Maßen ziemlich viel Zeit in die Partie investiert hatte und ich hätte rumschauen können. Von daher ist auch nicht ganz klar, wieso Matthias einfach so gewann und uns 3:2 in Führung schoss. Andreas allerdings - inzwischen 3 Bauern zusätzlich im Hintertreffen - glich kurz danach für Blankenese aus und ruinierte sich die 100%.


Es spielten noch Florian und meinereiner, mein Gegner hatte inzwischen (nach zwischenzeitlich 8 Minuten für 15 Züge) die Zeitkontrolle geschafft, vertiefte sich aber sogleich wieder intensiv in das Mehrquallenendspiel, während Florians Stellung scharf mit beidseitigem Königsangriff war. Von Gegner Urban standen permanent Figuren en prise, allerdings sah "einfach mal nehmen" nie so recht Wumpa aus, mehr so Dumpa.


Doch dann sollte alles (außer dem HSV-Spiel) noch ein (für uns) versöhnliches Ende nehmen. Florians Angriff schlug durch, und der Gegner wurde geplättet, ließ sich die letzten beiden Züge zum Matt nicht mehr zeigen. Mein Gegner, eh schon erheblich zeitgehandicapt, musste die Qualle wegen eines Mattmotivs (wSf4, Kf3, Bg3, sKg5 Bf5, es drohte Tg6) zurück geben und stand danach passiver. Das Bauernendspiel mit 95 gegen 0,5 Minuten wäre dann zwar gewonnen gewesen, aber ich hatte mich um ein Tempo verzählt und daher lieber die Remisschaukel angenommen. Somit also ein knapper und - mal wieder - auch glücklicher Sieg für die drittsympathischste Mannschaft westlich des Äquator.


Uns erwarten nun noch zwei abschließende Runden. Zunächst gegen die punktlosen letzten aus Lurup, dann gegen die verlustpunktfreien ersten aus Wedel. Sollten wir aus diesen Begegnungen sechs Punkte holen, wird der Klassenerhalt allerdings scheitern.


Am Ende des Abends schlossen wir dann allerdings entgegen unserer Versprechungen die Räume nicht ab - Matten war da und übernahm das für uns.

[Marten]