Wenn zwei das selbe tun, ist es doch nicht das selbe.


Diagonale II hat es in der Vorwoche vorgemacht. Nachdem Armin den
Rambling Rook auspackte und damit einen 4½:3½-Erfolg (gegen Barmbek V)
sicherstellte, musste noch 24h gezittert werden, dass Fischbek am
Folgetag gegen den HSK nicht etwa 7½:½ oder gar 8:0 verliert. Natürlich
ließ sich Fischbek nicht so eindosen, und Dia II spielt wieder in der
Bezirksliga.


Genau diese Konstellation konnten wir auch herstellen: Wedel eindosen
(Erneut ein Rambling Rook wäre natürlich hübsch, aber ist für die
Punktewertung egal) und dann hoffen, dass am Folgetag die Fischbeker dem
HSK mindestens einen Brettpunkt abknöpfen. Der Teufel steckt hierbei
allerdings mal wieder, wie so oft, im Detail: uns würde ein 4½:3½ eben
nicht reichen, wir müssten für die identische Situation 7½ Brettpunkte
zurechtzaubern. Gegen den unbesiegten Tabellenführer aus Wedel ist das
zwar kein Selbstgänger, aber wat shalls? Immerhin waren wir nach DWZ
nicht mal wirklich Außenseiter.


Die Recken der letzten Runde waren um Andreas C. und den Spanier
verkürzt, die aus verschiedenen Gründen (einmal privat einmal
dienstlich) darum baten, dass wir doch Michael und Marcel einsetzen
mögen, was Martin auch prompt tat, um damit den M-Anteil der Vornamen
weiter zu erhöhen, und zwar auf 5. Die Schachfreunde aus Wedel schienen
ihre Aufgabe (zwei Brettpunkte holen war der sichere Aufstieg, um auch
den HSK in Schlagweite zu halten, für uns reichte ja einer) Ernst zu
nehmen, sie meldeten die Bretter 1 bis 8, und nachdem meine zaghaften
Versuche, sie zu einem Spiellokal in Norderstedt zu schicken,
gescheitert waren, konnten wir auch ohne Martin um 19 O'Clock das entscheidendere Aufstiegsmatch der Bezirksliga B anpfeifen. Wie gesagt und wie üblich auf beiden Seiten nicht ganz vollzählig, aber um 19:05 spielten dann alle Bretter.


Um 19:10 spielten dann nicht nur alle Bretter, sondern auch eine Band im
Keller, die für das Sommerfest am Wochenende probte, während draußen im
Gang eifrig pfeifende Aufbauer vorbeirumpelten. Zum Glück wurde der Lärm
durch Fensterschließen nicht geringer, sodass eine knappe
16:0-Abstimmung unter den Spielern ergab, doch bitte weiter Sauerstoff
einzulassen. Achim fand dann auch die Band und überredete sie, zumindest
die Bässe rauszunehmen. Dennoch sollte uns ein Potpourri von Geräuschen noch eine - als Gastgeber peinliche - Weile begleiten.


Da man sich inzwischen ja über die Jahre ein wenig kennen gelernt hat,
gab es natürlich auch Paarungen, die man schon mal hatte. Ich spielte
zwar nicht gegen Jürgen Nikodem, aber Andrei tat das, und vielleicht
erinnert sich der eine oder andere noch an die Partie aus dem
Eigenheimweg, die die beiden dereinst höchst wild spielten. Leider mit
dem falschen Ende für Andrei. Gegen Ulrich Timm mit Schwarz hatte ich
auch schon mal gespielt, damals packte er eine ungewöhnliche Eröffnung
aus (3.c3) und es kostete mich viel Zeit und Nerven, dagegen an zu
gehen. So entschloss ich mich, heute selber zu experimentieren und
erfand den Philidor neu. Wobei gar nicht mal so neu, wie ich dereinst
gedacht. Aber mit dieser Überleitung, die Gerhard Delling so nie
geschafft hätte (kein Kalauer) sind wir auch bereits mitten im
tummelnden Kampfgeschehen.


Und das wurde auch ein ebensolches. Anders als manch lauer Sommerkick,
äh, -figurenschubs, ging es ja noch um etwas, und die Wedelensianer
waren offenkundig ein wenig überrascht, dass wir auch ernstlich auf die
7½ spielen wollten und Michael deswegen ein frühes Remisangebot von Jan
Bartels doch - ich sag mal - freundlich aber bestimmt vom Tisch wusch.
Naja, sooo warm, dass man mit 'nem Bier draußen sitzen wollte, war es ja
auch nicht. Hier, da gerade mal eine Stunde gespielt war, zeichnete sich
aber bereits ab, dass das eventuell wirklich eine Schlacht werden
konnte. Finki stand bereits mit einer Plusfigur (gegen zwei Bauern) aus
einem gegnerischen Opfer bei heterogenen Rochaden, und konnte sich des
Angriffes von Norbert Reimann nicht nur erwehren, sondern schien selber
sogar schneller zu sein. Hier wurde bereits ein Sieg eingeplant. Und der
Rest stand eigentlich durchgehend angenehm:


Matthias an 1 hatte gegen Holger Henrich ein Flügelgambit gewählt, und
lief nun über a- und b-Linie auf, mir gefiel die Stellung, Martin nicht
so, aber sie sollte ja Matthias gefallen, und der schwitzte nicht.
Florian an 2 hatte gegen Victor Lamzin einen Damentausch hinnehmen
müssen (mit König auf offener d-Linie) und einen Doppelbauern, aber zwei
Riesenhengste die vor lauter schwarzen Felderschwächen gar nicht
wussten, wo sie hinsollten. Ich stand an 3 etwas passiv, aber solide,
und hatte zumindest schon einmal einen leichten Zeitvorteil von etwa 6
Minuten. Martin an 4 stand gegen Robert Law unspektakulär aber aktiv,
Andrei an 5, naja, ich sagte es ja schon, aber unspektakulär doch nicht
schlecht. Jens an 6 wie gesagt auf Gewinn, Marcel an 7 fuhr gegen Ralf
Toepfer Schwerfiguren gegen die gegnerische Rochade, spielte vielleicht
etwas schnell in dieser Phase, aber so ist die Jugend halt manchmal, und
Michael an 8 hatte erstmal die einzige offene Linie mit Schwerfiguren
zugeparkt und begann mit dem Einfall.


In der Tat konnten wir nach einer Stunde nicht viel mehr realistisch
erwarten, und wenn Jens bald gewänne und ein anderes Brett zu unseren
Gunsten kippte - dann stünde es 2:0 und wir stehen überall gut, ob Wedel
dann nicht nervös wird? "Nun ja", fragt sich der Leser, "wieso verwendet
der Schreiber hier Konjunktive, wenn er Spannung aufbauen will, dann ist
doch klar, dass das so nicht geklappt hat." Doch da antwortet der
Schreiber "Lieber Leser, das ist die Möglichkeitsform, nicht der
Irrealis, denn das war Wissensstand 20h; also Klappe zu und weiterlesen!"


Um 21h stand es immer noch 0:0. Aber: Finki hatte inzwischen einen
gegnerischen Trick abgewehrt (ob zu Recht weiß ich nicht) und einen
Bauern eingesammelt, sodass es sehr gemütlich wurde, Michael näherte
sich auch seinem ersten Mehrbauern, ich konnte mit einem (sogar
systemtypischen) Damenflügelvorstoß die Initiative an mich reißen und
bat meinen Gegner zum Rückzug, Matthias stand zunehmend entspannter,
Florian weiterhin entspannt, jetzt neu mit Mehrbauer, Marcel holte noch
einige Bauern ran zu seinem Angriff. Sechs Bretter, die wir ohne
Probleme würden gewinnen können. Zwar noch lange nicht zwingend (außer
bei Jens), aber es tat sich erstaunlich viel erstaunlich gutes. Unser
siebter Spieler Martin stand deutlich aktiver und klar besser. Leider
nur "klar" im Sinne von "es ist klar, dass ich lieber die weißen Klötze
hätte", aber ob das Ding noch über die Remisbreite hievbar war, schien
kritisch. Und Andrei stand leider inzwischen sehr passiv, und auch wenn
er auf einem dem Chronisten unklaren Wege einen Figurenverlust abwenden
konnte, so hatte er doch einen Wenigerbauern und eine fürs Endspiel
verlorene Struktur. Und tat das einzig richtige: Angriff, mit den
versammelten Königsflügellandwirten die weiße Rochade aufreißen,
Schwerfiguren heranholen, mit dem Springer auf hübsche Essbesteckfelder
schielen.


Ungefähr zu diesem Zeitpunkt erfuhr Andrei dann auch, dass Wedel schon
einen Minuspunkt hat und wir mit einem hohen Sieg noch selber aufsteigen
könnten.


Und zu diesem Zeitpunkt war der Aufstieg zwar noch immer
unwahrscheinlich, aber schon deutlich näher als noch zwei Stunden zuvor.
Doch nun kam ein kleines Zwischentief: Marcel ließ einen Gegenangriff
zu, und musste auf einmal beginnen, sich gegen Dauerschachmotive zu
verteidigen, und Andrei kam nicht mehr recht vorwärts, musste noch
Bauern geben. Und übersah dann um 21:55h ein Zwischenschach - 0:1, denn
mit Turm und 109 Bauern weniger musste man nicht mehr weiterspielen.
Aufstiegstraum geplatzt. 0,7 Millisekunden später bot Marcel dann Remis,
denn er sah nicht mehr, wie er dem Dauerschach sinnvoll entfleuchen
sollte, und somit stand es 1½:½ für die Gäste - die jetzt nur noch ein
Remis zum Aufstieg brauchten. Prompt wurde es an ihrem beststehenden
Brett geboten - und von Martin abgelehnt. Und in der Tat war auch für
uns jetzt der Wunsch klar, diesen bislang gut geführten Kampf auch noch
zu gewinnen, vielleicht sogar dem HSK die theoretische Hintertür
aufzuhalten. Denn schlecht standen wir nicht.


Eine halbe Stunde später begab sich an Brett drei, dass ein Zug, den ich
mehr so prinzipiell spielen musste (alle Figuren standen optimal, ich
musste also nun mal loslegen), sich als richtig erwies und mit einer
Unaufmerksamkeit meines Gegners zu Mehrbauern und -qualle führte. Ein
kurzer Behumpsversuch kostete meinen Gegner noch eine Figur, und damit
stand es 1½:1½. Florian hatte einen Mehrbauern, Michael hatte einen
Mehrbauern, Matthias hatte einen Wenigerbauern aber nur riesig stehende
Figuren, Jens hatte immer noch seine Mehrfigur und reduzierte
schrittweise den gegnerischen Druck, einziger Wehmutstropfen war, dass
er Dame gegen Doppelturm inzwischen hatte, und bei Martin war nicht viel
los, es remislichte sehr. 6:2 für Dia? Wedel könnte damit wohl leben,
wir auch.


Konsequenter Weise war es dann aber Martin, dessen Partie als nächstes
zu Ende ging - sein Gegner übersah einfach ein Bauernmitnahmemotiv und
flog dann recht spontan auseinander. Also 2½:1½ für uns, und damit der
fast sichere Sieg, denn eigentlich spielten an allen Brettern nur noch
die Diagonalen auf Gewinn.


Aber wie das mit "eigentlich" so ist, gibt es auch ein "uneigentlich",
und das begann an Brett 1, da Matthias ein eigentlich recht simples
Motiv für Materialgewinn sah, ein eigentlich aber noch simpleres
Gegenmotiv mit vielem bunten Materialverlust aber nicht, und damit Wedel
den Ausgleich schoss. Und ab nun, es war ja auch bereits erheblich nach
23 Uhr, ging es schnell weiter: Michael konnte seinen Mehrbauern nicht
halten, und mit KTSB gegen KTLB (und die Bauern blockierten sich auch
noch und der schwarze Läufer hatte die Farbe seines eigenen Bauern)
wurde dann der Remishafen genommen. Den nahm auch Florian, ebenfalls
etwas ärgerlich, sein Gegner konnte kurz vor Plättchenadé seinen Hühüpf
gegen Florians verbundene Freibauern geben (oder alternativ den König
jagen), und Florian hat das Matt mit einem vereinzelten Springer nicht
mehr konstruiert bekommen. Das geschah aber erst, nachdem der Jens erst
noch die gegnerischen Bauern abholte, eine Qualle gewann und mit
Mehrmaterial zwei verbundene Freibauern auf die fünfte und sechste Reihe
bekam. Nun wollte der Kollege mit den schwarzen Klötzen nicht mehr.


Am Ende also ein hoch verdienter 4½:3½-Sieg für uns, der durchaus noch
um einiges höher hätte ausfallen können. Nicht einmal das 7½ war
komplett außerhalb der Reichweite - wahrscheinlich war es nie, aber
prinzipiell hatten wir alle einen guten Tag und es fehlte die Fortune.
Wir haben also, wie gewollt, das Gleiche gemacht, wie Dia II, nämlich
4½:3½ gewonnen. Aber das Gleiche war es im Ergebnis eben doch nicht. Das
ist aber alles kein Grund zum Jammern - 15:3 Mannschaftspunkte ist ein
mehr als respektables Ergebnis, auch wenn wir nur dritter werden
sollten; und das Debattieren, ob nicht gegen HSK oder Fischbek mehr
dringewesen wäre (war es!) ist fruchtlos, denn in anderen Partien
(Lurup!) war durchaus auch weniger drin, als wir gemacht haben oder
(Pinneberg!) trat der Gegner deutlich unter Maximalstärke an. (Ich
glaube, dieser Satz enthielt mehr Ausrufungszeichen als meine sämtlichen
Berichte der letzten zwei Jahre zusammen. Oder als ich in meiner
Karriere Ausrufungszeichenzüge gemacht habe, aber das ist etwas anderes.)


Wir gratulieren natürlich Wedel zum Aufstieg, auch wenn es ein bisschen
Schade ist, weil die Partien gegen die immer Spaß gemacht haben.
Andererseits wäre es um HSK XI auch schade gewesen. Und um uns selber
erst mal... Ist es nicht schön, seit Jahren in eher netten Staffeln zu
spielen und keine NTSVer oder ähnliche Honks mehr zu haben? Wenn jetzt
noch Union und St.Pauli zurückkommen, Lurup und Wedel ja eh, dann
bräuchten wir eigentlich nur noch ein taugliches Spiellokal zu günstigen
Konditionen. Wobei wir natürlich nächstes Jahr aufsteigen werden - denn
im Gegensatz zum HSV versuchen wir ja, gute Spieler zu bekommen.

PS: Fischbek gewann gegen den HSK, damit sind wir zweiter geworden.

[Marten]