Kammerkonzert


In der vierten Runde erwarteten wir Mambo No. 5, äh, die Sanktpaulianer Nummer 5, nach DWZ eine der stärkeren Mannschaften der Staffel, aber deutlich gehandicapt durch Ausleihen in die Landesliga. Doch zunächst musste natürlich der Flügel aus dem Weg geschafft werden, damit die beiden Oktette ihren Platz im Saal finden können. Und wir haben gesaubeutelt mit dem Platz, die gleiche Anzahl der Tische hatte vor kurzem noch gereicht, um doppelt so viele Leute zu beherbergen.


Unser Team bestand mal wieder aus der Bestbesetzung, erster Geige Matthias, zweiter Geige Florian, Kastagnetten-Dave, Oberbratsche Martin, dem Dudelsack Marten, Querflöte Finki, Panflöte Andrei und Balalaika Andreas, und mit den Gegnern, die dann tatsächlich kamen, waren wir sogar leicht favorisiert auf mehr richtige Töne.


Und schon nach dem gemeinsamen Intro zeigte sich deutlich, dass wir Willens waren, unsere Akkorde an den Mann zu bringen. Viel passierte zwar zunächst nicht, aber eigentlich sahen alle Bretter schöner für unsere Farben aus. Den ersten Tusch gab es von Andrei, der im Sizilianer seinem Gegner heiße Nächte in Palermo bereitete und die lange weiße Rochade auseinandernahm. Gewonnen war das zwar noch nicht, aber gefühlte 0,85 Punkte waren an dem Brett schnell drin. Florian bekam hingegen aus einem Aljechin über französische Elemente ein Caro-Kann-Vorstoßvariantenbild, zerpflückte mit einem Bauernopfer auf e6 beider Seiten Struktur, hatte aber eine Menge Initiative und bereitete einen Kö-Kö-Königsüberfall vor. Ich hatte an vier den Nichtanzugsnachteil auch schnell ausgeglichen und presste ein paar Koloraturen gegen den weißen Königsflügel, während man Finkis Gegenspringer auf c4 ein "Hüpf nicht so weit, mein kleiner Freund" zusummen wollte. Martin versuchte sich in einem Doppelfianchetto, einer Art Apelt-Holst-Aufbau, und stand fein, Matthias hingegen kam zwar nicht toll aus der Eröffnung, wechselte dann aber in taktikalische Ideen über und verwirrte seinen Gegner erfolgreich. Bei Dave hatte sich zwar ein Läufer etwas verlaufen, konnte sich aber ohne Eile abtauschen, ansonsten verschwanden, sicher zu seiner großen Freude, die Figuren recht zügig, aber auch recht ausgeglichen.


Aber Armins Ansage, dass Andrei wohl das 1:0 erzielen würde, erfüllte sich nicht. Florian war einfach zu schnell. Der in der Mitte (d7) festgehaltene König sah sich einer weißen Streitmacht gegenüber - die Dame wollte auf e6 mattsetzen, der Turm auf c7, Läufer und Springer schauten zustimmend in die schwarzen Löcher, und es kam, wie es kommen musste, nach diversen schwarzen Manövern stieß dann ein weißer Bauer vor, und Wahnsinn, er schickte Schwarz in die Hölle (Höllehöllehölle). 1:0 um 20:45h, kein Brett stand schlechter, so war es fein.


Allerdings hatte ich inzwischen dämlich zwei Tempi eingestellt und einen weiteren Gegenzug übersehen, sodass mein Angriff etwas erlahmte, und angesichts der Gesamtsituation schien es mir nicht verkehrt, ein bisschen Frieden zu besingen und die Pfeife zu rauchen, einer Sache, der mein Gegner schnell zustimmte. Wobei Fritz die Abschlussstellung wieder besser für weiß empfand, aber bei der Kurzanalyse sahen wir keinerlei Motive für ihn, jedoch einige für mich. In der Summe kann man das wohl machen.


Und auch Daves Kastagnetten verstummten schnell, nachdem man sich fragte, ob auch die Könige noch getauscht werden sollten, schoß er ein entspanntes 2:1 um 21:28h. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte sich einiges an den anderen Brettern getan. Matthias hatte dem taktischen Verwirrspiel einen Bauern entnommen und stand trotz gegnerischen Freibauerns deutlich aktiver, Andreas lenkte langsam in ein reines Turmendspiel ab und amputierte sich ebenfalls einen gesunden Mehrbauern, hier sogar ohne gegnerische Freiheit, und Martin sparrte den schwarzen Läufer auf h3 ein, um ihn zu retten, öffnete schwarz die g-Linie, und Martin belegte die jetzt mit Schwerfiguren gegen Lg7 und Kg8. Andreis Stellung sah auf den ersten Blick hingegen nicht mehr ganz so total 100%ig megagewonnen aus und Jens hatte irgendwo einen Farmer abgegebt. In der Summe aber lecker.


Und nun kam es auch Paukenschlag auf Paukenschlag. Martin engte den Gegner zusammen, alle Figuren mussten hinten verteidigen, bis dann sein Läufer und Springer (und bei Tausch halt Bauer) dafür sorgten, dass mindestens eine Figur von der g7-Deckung wegmusste. 3:1. Bei Andrei hätte sich entgegen dem obigen allgemeinen ersten Blick ein zweiter gelohnt, weiß stand ja so auf dem Acker, alles hing, offene b-Linie gegen Ka1, sBa3, Springer, Dame und Turm schauten sich das auch noch an, kurz: weiß mochte nicht mehr. 4:1.


Andreas nahm diese Lage nun zum Anlass, in seinem Turm-mit-Mehrbauer-Endspiel ein wildes Opfer auszupacken. Genauer wies er seinen Gegner darauf hin, dass er eine Zugwiederholung erzwingen kann, wenn schwarz nicht völlig abzockeln will. Das Opfer war also eines von einigen DWZ-Punkten, aber die Verlustwahrscheinlichkeit von 3% war raus und Andreas stellte somit den Sieg sicher.


Blieb nur noch die Frage, ob bei Jens und Matthias die Endspielmehrbauern reichen würden, um die jeweiligen Remisbreiten zu überschreiten. Und beide Male reichten sie recht klar. Zunächst gab Finki, momentan trotz hoher Motivation mit einem Negativlauf, seine Partie ab, dann setzte Matthias den Schlussakkord zu einem überzeugenden und auch nie wirklich gefährdeten 5½:2½.


Durch die Niederlage der Fischbeker sind wir nun zweite, einen Brettpunkt hinter den punktgleichen 11er-HSKlern, mein Prognoseprogrämmchen hat uns gleichzeitig HSK12 - trotz deren gleichzeitigen Sieges - überholen lassen und sieht uns nun auf Platz 3. In der nächsten Runde geht es dann zum Spitzenspiel beim HSK, mit dem leichten Nachteil, dass wir dann mit ungewohnten Farben werden spielen müssen (die meisten hatten ja 4* die gleiche Farbe bisher) - und dem Vorteil, dass die HSKler unser aktuelles Andersfarbrepertoire so nicht kennen können. Aber ein Punkt oder besser ein Sieg dort, und wir sind sowas von mittendrin im Aufstiegsrennen
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[Marten]