Wir sind doch eher Frühaufsteher

Runde zwei und das erste Heimspiel der Saison, das sollte ein echter Feier-Sonntag für die Diagonale werden. Und alle, alle, alle wollten sie kommen. Doch um es vorwegzunehmen, alle kamen sie nicht. Daniel zum Beispiel kam nicht, statt seiner spielte heute Said, dafür kamen Achim und Kirsten in zeitlich umgekehrter Reihenfolge um einen Blick zu erhaschen. Letztes Jahr endete das Spiel gegen Diogenes ja noch 4:4, würde es dieses Mal genau so gehen? Oder genau umgekehrt? Jedenfalls waren die Voraussetzungen für einen qualitativ hochwertigen Mannschaftskampf ideal. Statt wie letztes Jahr eine Stunde weniger Schlaf als üblich hatten alle Beteiligten dieses Mal eine ganze Stunde mehr, dank Winterzeitumstellung in der Vornacht.

Und hier nun die ausgeschlafensten der Ausgeschlafenen: An 1 C.K. (Name der Redaktion bekannt) gegen Torben Schulenburg (DWZ 2094, Elo 2100), an 2 M.W. gegen Wolfgang Hohlfeld (2019/2101), an 3 M.B. gegen Dominik Müller (2083/2159), an 4 D.H. gegen Ralf Hein (1993/2047), an 5 A.C. gegen Christian Kalla (1957/1966), an 6 M.H. gegen Thomas Rieling (1941/2034), an 7 H.H. gegen Sylvin Müller-Navarra (1900/-) und an 8 S.H. gegen Peter Gröppel (1863/1910). Um der ohnehin kaum erträglichen Spannung noch ein paar Kronen aufzusetzen, kamen zum Mannschaftskampf also noch spannende persönliche Duelle hinzu. Die Protagonisten an 1 hatten in letzter Zeit bereits öfters die Klingen gekreuzt, zuletzt bei der kombinierten Schachfreunde-Diogenes-Vereinsmeisterschaft (Sieg Christoph), die an 2 hatten beide acht Buchstaben im Vornamen, die an 3 waren beide noch nie in Lesotho und so weiter und so fort.

Und so sollte es auch passend zu unserem Vereinsmotto „cum vos adepto in maxillam, et recte placet“ losgehen. Ausgeschlafen und konzentriert machten sich die 16 Matadore frisch ans Werk, nur ich durfte mit Genehmigung des Schiedsrichters noch einmal kurz das Spiellokal verlassen, um den im Auto vergessenen Zucker zum Kaffee zu besorgen, und bereits nach einer Stunde ließ sich feststellen, dass alles gut war. Also nicht gut im Sinne von „Wir stehen auf 8:0“, aber schon gut im Sinne von „7½ ist möglich“. Okay, auch das nicht. Aber immerhin gut in dem Sinne, dass die Stellungen passten, Vorbereitungen etwas nutzten und alles solide nach Schach aussah. Said an 8 spielte, vielleicht in der Hoffnung seines Bruders Erstrundenergebnis zu duplizieren, etwas zu schnell in einer scharfen Stellung, aber noch waren die Klötze da. Christoph an 1 hatte hingegen Vorbereitungspech, als er mit Wolga genau das auspackte, was Torben erwartet hatte, wenngleich gegen einen völlig anderen Gegner.

Aber dann… dann kamen diese rotzfrechen Lümmel von Diogenes auf einmal auf die Idee, besser als wir spielen zu wollen. Und sie hatten nicht nur die Idee, sie taten es auch einfach. Gut, an Brett 1 war die Stellung unklar, als sich Christoph lieber auf eine Zugwiederholung als auf ein unklares Endspiel einließ, und damit nach 0% Remisquote letztes Jahr in diesem Jahr die 100% festhält. Aber ansonsten war nicht alles schön. Andreis Stellung, obwohl wohl objektiv okay, vermochte mir gar nicht zu gefallen, zu reaktiv. Said brachte ein befreiendes Qualitätsopfer, das eher einengend wirkte. Ich lernte den Unterschied zwischen Sge7 und Sf6 in einem ansonsten schönen Aufbau kennen und spielte gegen den falschen Zug, auch Martin und Dave spielten eher in Rückenlage. Haschem und Matthias hingegen schienen spielbar.

Dann kam der erste Einschlag: Martin musste aufgeben. Matthias in ein Remis abwickeln, ich überlegte an der Idee „e4“, die noch nicht ging und zwei Vorbereitungszüge erforderte, nur um dann einfach doch e4 zu spielen. Einige Zeit darauf, in der sich an den 6 Brettern nur Tendenzen verhärteten, aber außer Matthias‘ Remis zum 1:2 nichts passierte, schob ich – in wohl schon verlorener Stellung – einen taktischen Einsteller hinterher, 1:3.

Und dann ging es Schlag auf Schlag, die genaue Reihenfolge kann ich nicht sagen. Nur kurz weg, um einen eingerissenen Daumennagel (Versuch, eine Milchpackung zu öffnen…) zu begradigen, komme zurück und es steht nicht mehr, es ist vorbei. Haschem machte noch Remis, Dave, Andrei und Said mussten aber aufgeben. Zur genauen Chronologie und Entwicklologie kann ich daher nichts sagen.

Fazit: eine Abreibung. Die höchste Niederlage in der Landesliga, aber das heißt noch nicht so viel. Aber auch die höchste Niederlage der ersten Mannschaft seit der zweiten Runde 2007 bei den Schachfreunden (damals Matthias‘ erste Niederlage überhaupt seit seinem Neueinstieg). Und man weiß noch nicht einmal so recht warum. Beziehungsweise wir wissen es, wollen es aber nicht einsehen: wir waren heute einfach nicht gut genug. Es gab keine entscheidenden Patzer, die Anlagen der Spiele waren okay – aber die Tonnenbewohner spielten einfach durch die Bank das etwas bessere Schach. Nichts lief für uns – solche Kämpfe verliert man normal nicht so hoch, aber heute konnte eben keiner noch einmal einen Konter setzen. Und, was wir die letzten zwei Jahre so konsequent taten, 100-200 über unserer Zahl spielen, das fiel heute auch 8 Mal aus.

Oder, wie wir bei vegetarischer Pasta und pfefferloser Lady im Dubrovnik (das am Strucksbarg, nicht das am Rathausmarkt, das in Karoxbostel, Fleestedt, Meckelfeld oder Lüneburg) feststellten: dumm gelaufen.

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