Dia I – St. Pauli III 4,5:3,5 – eine Nachlese von Christian

Dia gegen StP3Wer kennt es nicht: Hatte die Festplatte auch in frühen Tagen noch so gut funktioniert, häufen sich nach ein paar Jahren im Betrieb doch die Lesefehler. Das haben schon die Höhlenmenschen vor vielen tausend Jahren verstanden. Was mancher heutzutage als einen Versuch interpretiert, die Höhle zu verschönern in Ermangelung von Tapeten, war doch viel wahrscheinlicher eine kluge Maßnahme, die Prinzipien der Jagd festzuhalten, bevor sie den Bewohnern entfallen könnten. Oder ein antiker Einkaufszettel: „Büffel jagen nicht vergessen“?

Die Festplatte des Verfassers dieser Zeilen ist bald 43 Jahre in Betrieb und arbeitet entsprechend. Und leider hat er die Weisheit der alternativen Datenspeicherung bisher nur unzureichend erlangt. Mannschaftskampf? Schach? Da war doch was – ach ja, Bericht!

Mit St. Pauli III war eine der nominell eher schwächeren Mannschaften zu uns gekommen, besonders da ihr Brett 1 Maik Richter oft in der Oberliga aushelfen muss. Wir hatten das Glück, dass unsere Gegner auch diesmal erheblich ersatzgeschwächt waren und daher mit einem um 75 Punkte niedrigeren DWZ-Schnitt antraten als in der vorigen Runde.

Die erste entschiedene Partie war mein frühes Remis an Brett 2 mit Weiß gegen Luis Martin-Sommerfeldt, das mir auch die Ehre einbrachte, diesen Bericht zu schreiben. In einer Philidor-Eröffnung setzte Schwarz mühelos d6-d5 durch und legte eine gewisse Disharmonie meiner Figurenaufstellung offen. „Nach einer unmotivierten Eröffnung ließ das übliche Ende nicht lange auf sich warten“, hätte vor einigen Jahren wohl der Bericht in einem anderen Verein lauten können. Kann sein, dass sich in der entstandenen leicht vorteilhaften Stellung doch noch eine nominell höhere Spielstärke durchgesetzt hätte. Oder ich habe ein letztes bisschen Weisheit bewiesen, das „übliche Ende“ rechtzeitig abzuwenden.

An Brett 3 lief es schon frühzeitig sehr gut für uns. Nachdem Christoph mit Schwarz gegen den nominell sehr starken (DWZ 2253) Guido Schleicher eine vollkommen symmetrische Stellung erreicht hatte, hatte Weiß kein glückliches Händchen mit der Behandlung seiner Bauernstruktur: Die schwarze Stellung war so solide, wie sie eben sein kann, während sich in der weißen Stellung die Schwächen sammelten. Christoph gelang ein risikoloser und schnell durchschlagender Königsangriff und so konnte er bald den dritten Punkt in Folge einfahren.

An Brett 1 spielte Niels Jorgen mit Schwarz gegen Carsten Kluth zu meinem Erstaunen diesmal nicht dieselbe Partie wie sonst. Carsten spielte insgesamt eine sehr gesunde Partie, und wenn sich eine Seite Gewinnchancen hätte erarbeiten können, dann wohl Weiß. Insofern war das Remis für uns ein gutes Ergebnis.

Die Stellung an Brett 5 von Gregor mit Schwarz gegen Uwe Klausch konnte ich nie einschätzen: Weiß hatte einigen Raumvorteil, während die schwarzen Figuren einen gewissen Druck auf das weiße Zentrum ausübten. Aber wie sollte es weitergehen, wie sollte eine Seite ihre Stellung verstärken? Ich habe das Ende verpasst, aber nach meinem Verständnis konnte Gregor mit einer taktischen Abwicklung eine Figur gewinnen und damit die Partie.

3:1 für uns also, darauf kann man aufbauen, aber noch war alles offen. An Brett 7 war Fabian mit Schwarz gegen Manfred Woynowski in ein Schwerfigurenendspiel mit schwachen Bauern geraten, deren Verlust kaum vermeidbar schien. Fabian konnte nur noch auf Schummelchancen hoffen, die sein Gegner aber sorgfältig umschiffte, sodass die schwarze Stellung letzten Endes nicht zu halten war.

Alles im Griff hatte Matthias an Brett 4 mit Weiß gegen Swen Neander. Ein Spiel auf ein Tor, das Matthias nach langer Gegenwehr schließlich klar für sich entscheiden konnte.

An Brett 8 war Etienne eingesprungen, um sich die ersten Landesligalorbeeren zu verdienen. Mit Weiß gegen Ulrich Stock hatte er ein vermutlich vorteilhaftes Doppelturmendspiel erreicht mit einer Bauernmehrheit am Damenflügel gegen einen schwarzen Freibauern auf d4, von dem sich noch herausstellen sollte, ob er als stark oder schwach zu bewerten wäre (was oft davon abhängt, welche Seite das Feld vor dem Bauern mit ihrem König kontrollieren kann). Nach kurzem Antäuschen, die weißen Türme würden sich auf der d-Linie gegen den Freibauern verdoppeln und somit fast wirkungslos bleiben, fand Etienne rechtzeitig einen Plan, einen der Türme durch Bauernopfer auf der c-Linie zu aktivieren, und konnte damit genug Aktivität entfalten, dass Schwarz ins Remis einwilligte.

An Brett 6 hatte Martin mit Weiß gegen Thomas Schuettler lange Zeit gedrückt gestanden, sich im weiteren Verlauf aber befreien können, wonach jedes Ergebnis möglich zu sein schien. Im entstandenen Endspiel mit je einem Turm und ungleichfarbigen Läufern wurde der schwarze Freibauer auf der h-Linie durch den weißen Läufer aufgehalten, während der weiße Turm die schwarzen Damenflügelbauern angriff. In diesem Moment hätte ich mein Geld auf Martin gesetzt, aber durch einen zentralen Vormarsch kam Schwarz zu Gegenspiel und nach eigener Aussage nahm Martin einen Bauern zu viel mit und zog den Kürzeren.

Der zweite Mannschaftssieg nach 3 Runden also, eine gute Ausgangsbasis für den Rest der Saison.

 

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