Oberliga: Dritter Spieltag gegen Diogenes

Gestern setzte es gegen unsere Freunde von Diogenes leider die dritte Saisonniederlage. Diogenes spielte nicht in Bestbesetzung, so dass quasi unser aller Vorbereitungen, die wir beim Mannschaftstreffen am Abend vorher in kleiner Runde angeschaut hatten, ins Leere gingen.
Bei uns gab Daniel sein Oberligadebüt an Brett 5 gegen Stefan Gottuk (2130), um ihn herum bastelten wir mich (Christoph) gegen Fabian Schulenburg (2293), Niels Jorgen gegen dessen Bruder Torben (2159), Matthias gegen Holger Mach (2224), Esmat gegen gegen Christian Laqua (2109), Martin gegen Leon Fabian Apitzsch(1964), Etienne gegen Oguz Kilic (2036) und Adesh gegen Sylvin Müller-Navarra (1939).
Gerade gibt’s die Partien noch nicht zum Download, daher möge man mir verzeihen, dass diese Zusammenfassung hauptsächlich auf meiner löchrigen Erinnerung beruht. Zum Glück war ich selbst schnell fertig und hab von den Partien mehr mitbekommen als üblich.

Schulenburg – Kuberczyk nach 15…e6

Hier verband ich meinen letzten Zug 15…e7-e6 mit einem Remisangebot. Ich erwartete 16. Se3, wonach Weiß die nervige Idee f2-f4 hat, was mich vermutlich zwingt auf d4 die Springer zu tauschen und in der möglichen Stellung nach 16…Sxd4 17.cxd4 schien mir Schwarz okay, aber im Gewinnsinne nicht besonders aussichtsreich zu stehen.
Damit war ich tatsächlich nicht einmal der Erste.

Esmat beging in der Eröffnung einen bekannten Fehler und konnte vermutlich ganz froh sein, dass ihr Gegner mit einem Schwarzremis zufrieden war und aus einer Position der Stärke bot.
Die Partie begann mit 1.d4 c5!? Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie selten sich Weißspieler in dieser Zugfolge mit 2.d5 für den kostenlosen Raumvorteil „bedanken“, denn sogar wenn man keine Lust auf „normales“ Benoni oder das Wolgagambit (nach 2.d5 Sf6 3.c4) hat, kann Weiß das Zeug vermeiden und beispielsweise positionell das c4-Feld für seinen Springer (Sf3-d2-c4) freihalten oder aggressiv mit Sc3, e4 und f4 die neugewonnene Dynamik im Zentrum nutzen. 2.e3 oder 2.c3 sind natürlich keine Züge, um den ersten Zug von Schwarz zu bestrafen, aber sind immerhin okay, wenn man mit Weiß langweilig und ohne Ambitionen Damenbauernspiele spielt. Esmats 2.Sf3? erlaubt aber …cxd4 und Schwarz besitzt einfach einen Bauern mehr im Zentrum, was zum Beispiel nach 3.Sxd4 d5 direkt zum Tragen kommt, weil Schwarz sogar direkt bereit steht, im Anschluss auch noch e7-e5 zu spielen. Lange Rede, kurzer Sinn, Esmat spielte nach langem Nachdenken 3.Dxd4 und war selbst froh, dass sie in dieser krummen Eröffnung mit einem Remis davongekommen ist.

Bei „krummer Eröffnung“ denkt man direkt an Niels Jorgen, der das aber natürlich systematisch macht Dieses Mal war es bei ihm ein ungewohnt frühes Da4, dass die Partie auf eigene Pfade führte. Schwarz machte aber logische Züge und wenig später gabs auch hier den Remisschluss.

Kilic – Doederlein 

Etienne wirkte sehr inspiriert von unseren Analysen den Abend vorher ( bei denen in mindestens jeder zweiten Variante beide Könige auf Matt standen) und knallte einfach mal auf b2 einen Läufer rein. Ich vermute, er erhoffte sich davon einen Bauerngewinn, aber leider blieb das Material gleich und der Schwarzfelder fehlte dann doch bei der Verteidigung. Etienne schien seinen Laden lange zusammen zu halten, aber sein Gegner erschuf eine malerische Stellung, in der Schwarz keinen aktiven Zug mehr machen konnte. (Das Weiß hier zusätzlich einen Bauern mehr hat, macht es nicht besser)

Den Ausgleich schoss El Capitano Matthias himself. Sein Gegner wählte ein Abspiel mit g3, um die schärfsten Varianten im Drachen zu vermeiden, aber Matthias verwandelte die Stellung mit seinen Zügen e7-e5 und f7-f5 dann doch in ein Scharmützel, das mehr Pfeffer hatte als sein Rumpsteak Lady. Die Stellung sah nun mehr nach einem Königsinder aus und es folgte eine Partie voll brillanter Züge (…Lxh3!, …Tf3!, …e3!) als wäre Kasparov aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Überzeugender Punkt! 2,5-2,5

Mach – Wasmuth (es folgte … Lxh3)

Adesh spielte eine absolute Achterbahnpartie. Zeitzeugen berichteten von einer absoluten Gewinnstellung, bis in beidseitiger Zeitnot ein Grundreihenmotiv übersehen wurde, das die ganze Partie kippte. Irgendwie rettete Adesh seine Stellung mit Qualle weniger aber immerhin noch zum Remis. 3-3

Daniel hatte gegen ein Londoner System zu kämpfen, in dem er sich bereitwillig einen isolierten Doppelbauern auf b7/b6 verpassen ließ. Irgendwann verlor er in einer taktischen Abwicklung einen Bauern. (Ob diese beiden Punkte irgendwas miteinander zu tun haben, kann ich nicht sagen. Einmal nicht hingeguckt und schon wars passiert.) Das entstandene Turmendspiel war leider irgendwo zwischen „praktisch nicht haltbar“ und „theoretisch nicht haltbar“ einzuordnen. 3-4

Martins Eröffnung wirkte leicht improvisiert, als er in einem Taimanov-Sizilianer d7-d5 zuließ und seinen Schwarzfelder kurz nach seiner Entwicklung nach e3 aus Selbstschutz wieder nach d2 zurückstellte. Sie erreichten eine Struktur wie im schottischen Vierspringerspiel, in dem Weiß zwar weniger Bauerninseln hat (neben fgh noch abc), aber die schwarzen Bauern raumgreifender waren (fgh+a7+c6/d5). Schwarz gewann in der Folge noch mehr Raum und spielte irgendwann eine Abwicklung, in der er zwei Leichte gegen Turm und Bauer gab, was im entstehenden Endspiel vor allem aufgrund eines starken a-Freibauern ziemlich stark war. Sicherlich ein Endspiel, aus dem man eine Menge lernen kann, auch wenn wir auf unserer Seite die 0 hinnehmen mussten.

Damit leider ein Endstand von 3:5. Schon übernächstes Wochenende können wir es in Norderstedt besser machen und unseren Gegnern eine verlustpunktfreie Hinrunde versauen- ja, die Gegner werden nicht leichter.

Christoph

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