Brot, Milch, Toilettenpapier, Duschgel

Da die Homepage ja für Berichte verlangt, dass eine Überschrift existiert, mir aber keine geeignete eingefallen ist, habe ich eine Einkaufsliste von vor 7 Jahren genommen. Und vor noch längerer Zeit, nämlich vor etwa 20 bis 40 Jahren, da hatten wir eine Tradition, das Bezirksligaspiel gegen Wedel. Zwar waren wir zwischendurch auch einmal in höheren Gefilden aufeinandergetroffen, jetzt können wir aber endlich wieder Diagonale und Wedel in ihrem natürlichen Habitat bewundern.

Wobei die Tabellensituation so aussieht, als ob auch das bald wieder vorbei sein könnte – in einem Viererpulk gemeinsam mit Union und Schwarz-Weiß rennen wir beide vorne weg, wir derzeit mit einem Punkt Vorsprung, also heute: Erster gegen Zweiter, das kann im Aufstiegsrennen wichtig werden.

Die Aufstellungen waren erst einmal unspektakulär, wir hatten Jens als Ersatz für unsere Nummer 1 Haschem aber sonst wie üblich Bestbesetzung, Wedel musste die Bretter 1 und 2 ersetzen. Und damit hinein in die Achterbahn. Und da mir eine semiprofessionelle Textanalyse mitgeteilt hat, dass meine Texte normal zu viele Einschübe – mit Gedankenstrichen (oder Klammern) – enthalten, zu viele Metaphernsträuche auf der Textwiese stehen haben, in Non-Sequitur-Nebensächlichkeiten über Schmackhaftigkeit und Gesundheit von zum Beispiel Sanddorn aber eben auch Quitten abschweifen würden und so lang würden, dass ich sie am Ende nicht einmal mehr korrekt beenden können würde gewesen haben wollen sein. Jedenfalls etwas knapper diesmal.

Als erstes war Brett 2 zu Ende. Martin hatte gegen Milan Adamovic bereits Ausgangs der Eröffnung leider ein taktisches Motiv übersehen und nun die Wahl zwischen Qualität weniger und komplett platter Stellung, oder ganzer Figur weniger und nur zu drei Vierteln platter Stellung. Er hat sich dann lieber auf den Heimweg vorbereitet. Ärgerlich, aber auch noch nicht so wild, hatte Jens an Brett 8 gegen John Lüchau umgekehrt eine Figur gewinnen können.

Auch Brett 3 war schnell vorbei. Hier hatte Marten gegen Norbert Reimann mit einem Impro-Dragondorf erst einmal nach einem billigen Ablenkungsmotiv zweizügig einen Zentrumsbauern eingestellt – und Norbert revanchierte sich mit einem ebenso zweizügigen Qualitätseinsteller. Im Endeffekt war Martens Stellung nun wohl besser, aber recht vermauert, und die beiden sagten sich „heute wird das nichts mehr“ und einigten sich auf Remis. Noch nicht einmal eine Stunde war gespielt.

Etwas, aber nicht viel, länger dauerte Brett 7. Hier tauschten Rainer und Ralf Töpfer viel und schnell und es entstand ein Damenendspiel. Mit einer kleinen Falle lockte Rainer Ralf in einen Damentausch und hatte dann einen netten Freibauern im Bauernendspiel. Ralf gab auf – eventuell verfrüht, denn eine Analyse vor Ort zeigte, dass Ralf mit seinen vielen Reservetempi durchaus noch hätte Oppositionen erzwingen können, die schwierige Fragen gestellt hätten.

Und ebenso kurz war auch Brett 1 früh beendet. Tareq spielte gegen Henning Neu ganz normale Züge, was an sich einen eigenen Bericht wert wäre, und es entstand eine ganz normale Stellung. Als nach einem Geräusch beide Spieler wieder aufwachten, einigten sie sich lieber auf Remis.

Somit also 2:2 nach ca. 90 Minuten, da ist Spannung, da brennt die Hütte, da geht die Ananas zum Schnadahüpferl. Schauen wir uns die verbliebenen Stellungen einmal an:

Jens hatte immer noch seine Figur mehr, spielte aber lieber bedächtig, statt zu übereilen, und schob John langsam rückwärts. Dass er zwischenzeitlich halbzügig den h3-Rochadebauern eingestellt hatte, erwähne ich deswegen nicht, weil es für die Bewertung heute vollkommen egal war, da war kein Angriffspotenzial gegen ihn.

Tobias hatte an Brett 5 gegen Mohammed Hotaki ein ziemlich wildes Figurenknäuel aufgebaut, das selbst das Abzählen von Material für mich erschwerte, sämtliche Versuche im Vereinschat schlugen fehl. Tatsächlich hatte er Figur für Bauern mehr, der Gegner zwar einen Freibauern, aber der war noch nicht weit.

Stefan hatte an 4 gegen Jürgen Nikodem einen Bauern mehr und Druck auf der offenen e-Linie gegen einen gefesselten Springer. Jürgen baute zwar ein paar Schwerfiguren in Richtung Stefans König, aber mit etwas Konzentration kann Stefan das unter Kontrolle behalten und Stefan spielte konzentriert und kontrolliert.

Andrei hatte schließlich an Brett 6 gegen Torsten Hinze gegen dessen lange Rochade sehr druckvolle Schwerfiguren auf halboffenen Linien platziert und auch die Leichtfiguren waren in der gegnerischen Hälfte. Die schwarzen Steine klammerten sich zwar noch erfolgreich aneinander fest, aber taten ihrerseits nichts Aktives.

Also zwei technisch gewonnene, zwei klar bessere Stellungen, was sollte da anbrennen? Andrei wollte Remis spielen, was ihm aber vom Mannschaftsführer zwar nicht direkt verboten, aber doch eher abgeraten wurde – wir haben zwar einen Mannschaftspunkt Vorsprung, aber unsere Brettpunkte sind halt nicht so dolle, falls wir noch einmal stolpern sollten, hier konnten wir gutmachen.

Jens und Tobias lieferten sich in der Zwischenzeit ein spannendes Rennen darum, wer den dritten Punkt machen würde. Jens verschmähte ein paar Bauern und zog stattdessen seine Figuren um den schwarzen König zusammen, während Tobias die Bauern nicht verschmähte und inzwischen neben der Figur auch zwei verbundene Bauern mehr hatte, die sich vom Turm unterstützt auf den Weg Richtung gegnerische Grundreihe machten, während der gegnerische König sich verlaufen hatte.

Letztlich zeigte sich, dass ein Matt zwingender und endgültiger ist, als eine Umwandlung, und Jens machte das 3:2, Tobias nur das 4:2.

Stefan hatte inzwischen einen zweiten Bauern gewonnen und erlaubte sich nun leider einen kleinen Aussetzer. Er griff einen dritten, um ihn zu schlagen, nur um plötzlich zu sehen, dass dieser gedeckt war. Für ein j’adoube war es zu spät und die Dame wäre weg. Plötzlich 4:3. Ärgerlich, aber passiert. Dennoch hing es nun an Andrei.

Und während der Mannschaftsführer zuvor noch grummelte ob der Aussicht „nur“ eines Remis, nun wäre er glücklich damit gewesen. Andrei stand natürlich immer noch klar besser, aber es waren noch viele Klötze auf dem Feld und wir hatten ja gerade einen frischen Eindruck davon, wie schnell das dann gehen kann. Letztlich fand Andrei allerdings ein Dauerschach und alle waren sichtlich erleichtert. Insbesondere Andrei, da er langfristig Probleme ob seines Wenigerbauern befürchtete. Erst nach öffentlichem Nachzählen merkte er, dass er stattdessen einen mehr hatte. Irgendwie waren seine Schlagzüge halt nicht aus Materialgründen gewesen, deswegen hatte er sie übersehen.

Der Erste schlug also den Zweiten mit 4,5:3,5. Hätten wir vor dem Kampf noch ohne zu zögern unterschrieben. Im Nachhinein war zuerst einmal ein wenig Gewurm ob der vergebenen Chancen auf mehr, gleichzeitig hätten allerdings Rainer und Marten auch weniger Punkte holen können. Nur gut, dass keine Beobachter der anderen Mannschaften aus der Liga vor Ort waren, die hätten angesichts der Fehlerparade Depressionen bekommen, gegen diese Mannschaften verloren zu haben.

Wir haben also weiterhin einen Punkt Vorsprung – eventuell sogar mehr, wenn Union straucheln sollte – und in der Theorie das mit Abstand leichteste Restprogramm mit den Tabellenletzten und dem nominell DWZ-niedrigsten Gegner. Aber wir haben natürlich schon oft gesehen, wie so etwas schief laufen kann. Ich erinnere mich da an eine Partie gegen St. Pauli, die wir trotz überall 200+ DWZ-Vorsprung klar verloren haben. Dennoch ist das Projekt „Aufstieg zum hundertjährigen Vereinsjubiläum“ für uns noch immer realistisch.

Kartoffeln könnte ich auch noch brauchen. Und Zwiebeln.

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